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StartStaat & RathausIm Stromnetz Deutschlands

Im Stromnetz Deutschlands

Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber raten dazu, die deutsch-luxemburgische Stromgebotszone in fünf Zonen aufzuteilen. Das ist ihre Folgerung aus dem Bidding Zone Review – einer Analyse, in der sie gemeinsam mit weiteren Akteuren überprüft haben, ob die aktuelle Einteilung der Zonen sinnvoll und markteffizient ist. Bis Oktober muss die Bundesregierung der europäischen Kommission mitteleilen, ob sie den Rat befolgen wird oder nicht.

In Deutschland kostet Börsenstrom überall das Gleiche. Und das, obwohl im Norden dank Windenergie weit mehr Strom erzeugt wird als im Süden – doch auch dort werden große Mengen Strom benötigt. Im Normalfall wird also ein Teil des Stroms aus Norddeutschland nach Süddeutschland transportiert. Erzeugen die Windparks allerdings besonders viel Strom, reichen die Leitungen quer durch Deutschland nicht aus, um diesen zu transportieren. Es kommt zu Netzengpässen. Die Folge: In Norddeutschland müssen Windparks abgeschaltet und in den südlichen Bundesländern dafür z. B. Gaskraftwerke hochgefahren werden, um den Strombedarf weiterhin decken zu können. All das kostet Geld – und diese Kosten werden auf die Kunden in ganz Deutschland umgelegt. Durch die Aufteilung Deutschlands in fünf Strompreiszonen würde sich das ändern.

Einsparpotenzial

Durch die vorgeschlagene Neukonfiguration könnten laut Bidding Zone Review insgesamt 339 Millionen Euro jährlich eingespart werden. Zudem würde Strom dort günstiger, wo er produziert wird: im Norden. Das begrüßen die norddeutschen Bundesländer. Für sie bieten sich nicht nur fi nanzielle Vorteile. „Mit einer Aufteilung der Gebotszone würde die Produktion von grünem Wasserstoff in Norddeutschland starken Auftrieb bekommen“, betont Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt. Die Zonen könnten zudem Anreize schaffen, das Stromnetz in Deutschland schneller auszubauen und damit effi zienter aufzustellen, so Sachsen-Anhalts Energieminister Prof. Dr. Armin Willingmann.

Zweifelhafter Nutzen

In Mittel- und Süddeutschland wird an der geltenden Regel festgehalten. Anders als im Norden würden hier bei einer Umstrukturierung die Preise steigen, was sich schlecht auf die Wirtschaftsstandorte auswirken könnte. „Die deutsche Wirtschaft braucht weiterhin die einheitliche Strompreiszone. Jede andere Debatte führt nur zu einer großen Verunsicherung bei allen Akteuren und schadet der Wirtschaft in Süd wie Nord gleichermaßen“, mahnt Bayerns Energieminister Hubert Aiwanger. Die Idee sei teuer, der Umsetzungsaufwand immens und der Nutzen zweifelhaft.

Baden-Württembergs Energieministerin Thekla Walker hält die Einführung neuer Gebotszonen für einen komplizierten, langwierigen und bürokratischen Eingriff ins Marktsystem. Sie appelliert dafür, lieber jetzt Möglichkeiten zu nutzen und z. B. den Aufwuchs Erneuerbarer Energien zu fördern.

Nordrhein-Westfalens Energieministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur kritisiert das Bidding Zone Review als Grundlage für die Diskussion. Viele wichtige Aspekte würden hier nicht berücksichtigt – darauf würden die Autorinnen und Autoren im Bericht selbst hinweisen. Eine so weitreichende Veränderung brauche jedoch eine viel fundiertere Grundlage, so Neubaur.

Fokus Netzausbau

Auch in Expertenkreisen wird von der Neukonfi guration der deutschen Gebotszone abgeraten. So betont Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur: „Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass eine einheitliche deutsche Gebotszone das bessere Modell ist und bleibt. Dafür sind ein beschleunigter Netzausbau und grenzüberschreitende Kapazitäten das A und O.“

Prof. Dr. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin in der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e. V., sieht die Lösung ebenfalls im Netzausbau. Strompreiszonen brächten zudem keinen Anreiz für den stärkeren Ausbau von Erneuerbaren Energien im Süden, dafür brauche es vielmehr konkrete fi nanzielle Anreize und die Ausweisung ausreichender Flächen für Windenergie.

Die Meinungen gehen weit auseinander. Entscheiden muss die Bundesregierung. Aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie heißt es dazu: „Klares Ziel der Bundesregierung ist es, an der deutschen Stromgebotszone festzuhalten. Dies bekräftigt auch der Koalitionsvertrag.“ Das führe zu einem liquiden Stromhandel. Im Strommix setzten sich dann jeweils deutschlandweit die kostengünstigsten Erzeugungstechnologien durch.

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