Das Land Hessen setzt einen innovativen Impuls für mehr personelle Kapazitäten in den Städten und Gemeinden. Das Beispiel könnte bundesweit Schule machen – auch beim Aufbrechen alter Routinen.
Die Handlungsfähigkeit des Staates entscheidet sich vor Ort. In den Städten, Gemeinden und Landkreisen zeigt sich, ob Verwaltung funktioniert, ob Entscheidungen umgesetzt werden und Bürgerinnen und Bürger Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Gemeinwesens haben können. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Land und Kommunen einander unterstützen, wenn es darauf ankommt.
Genau hier setzt KommUnity an, das Programm der Hessischen Finanzverwaltung, mit dem wir die Städte, Gemeinden und Landkreise in Hessen zwei Jahre lang mit Personal unterstützen. Seit März dieses Jahres läuft die praktische Umsetzung. Über 20 Beschäftigte haben bereits ihren Schreibtisch in eine hessische Kommune verlagert oder stehen kurz vor einem Wechsel. Sie übernehmen Verantwortung, etwa als Leitung der Gemeindekasse oder der Finanzabteilung, arbeiten als Sachbearbeiter im Ordnungs- oder Stadtvermessungsamt und helfen somit dort, wo Verwaltung für die Menschen in unserem Land wirksam wird.
Nachfrage bestätigt Erfolgskurs
Die erste Zwischenbilanz ist eindeutig: KommUnity stößt auf großes Interesse und wird positiv aufgenommen. Das gilt für unsere Kommunen wie für unsere Beschäftigten. Diese Resonanz ist kein Zufall. Denn das Programm setzt an einer Herausforderung an, die alle staatlichen Ebenen betrifft: dem Fachkräftemangel. Hinzu kommt der demografische Wandel, der die öffentliche Verwaltung in ihrer ganzen Breite erfasst. Qualifiziertes Personal zu gewinnen und gezielt einzusetzen, ist damit zu einer zentralen Zukunftsfrage geworden.
Gerade in einer solchen Situation braucht es innovative, pragmatische und flexible Antworten. KommUnity ist eine solche Antwort. Die Hessische Finanzverwaltung geht damit bewusst einen neuen Weg. Wir nutzen vorhandene Stärke, um dort zu helfen, wo Unterstützung kurzfristig und konkret gebraucht wird. Das ist keine Symbolpolitik, sondern ein unkonventioneller Beitrag zur Sicherung kommunaler Handlungsfähigkeit.
Dass wir diesen Weg gehen können, ist kein Zufall. Die Hessische Finanzverwaltung hat in den vergangenen Jahren eine vorausschauende, demografieorientierte Personalpolitik betrieben – was sich beispielsweise an den hohen Einstellungszahlen unserer Nachwuchskräfte in den Finanzämtern zeigt. Zugleich wurde die digitale Transformation der Steuerverwaltung entschlossen vorangetrieben. Beides zahlt sich heute aus. Es ermöglicht uns, zeitlich begrenzt personelle Unterstützung für die Kommunen zu leisten, ohne den eigenen Dienstbetrieb einzuschränken.
Darin zeigt sich auch ein modernes Verständnis von Verwaltung: Leistungsfähigkeit entsteht heute nicht allein durch klare Zuständigkeiten, sondern ebenso durch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Ein handlungsfähiger Staat darf nicht in vorgegebenen Strukturen verharren, wenn praktische Hilfe möglich ist. KommUnity verbindet politische Steuerung mit einem klaren Verfahren und schafft so Unterstützung dort, wo kommunale Handlungsfähigkeit unter Druck gerät.
KommUnity eröffnet nicht nur den Kommunen neue Möglichkeiten, sondern auch unseren Beschäftigten. Tarifbeschäftigte wie Beamte erhalten die Chance, (noch) heimatnäher zu arbeiten, neue Aufgaben kennenzulernen und wertvolle Erfahrungen außerhalb ihres bisherigen Einsatzbereichs zu sammeln. Dieser Perspektivwechsel stärkt nicht nur den individuellen Erfahrungshorizont, sondern auch das gegenseitige Verständnis innerhalb der Verwaltung.
Von der Idee zur Praxis
Rund 100 Beschäftigte der Hessischen Finanzverwaltung haben bislang ihr konkretes Interesse an einer Teilnahme bekundet. Zugleich sind in den vergangenen Monaten mehr als 400 Stellengesuche von über 120 hessischen Kommunen eingegangen. Grundlage dafür war eine gezielte Ansprache an alle Städte, Gemeinden und Landkreise in unserem Land. Die interessierten Kommunen melden ihre Personalbedarfe, diese werden dann in eine Online-Plattform eingestellt und mit nur einem Klick können die Beschäftigten ihr Interesse für eine konkrete Stelle hinterlegen. Die weiteren Abstimmungen erfolgen direkt mit den Kommunen.
Am Programm teilnehmen können Beschäftigte der Steuer-, der Bau- und der Immobilienverwaltung. Damit steht den Kommunen grundsätzlich ein breites Tableau an Erfahrung und fachlicher Qualifikation zur Verfügung. Die Teilnahme am Programm ist freiwillig. Über die konkrete Besetzung der Stelle entscheiden natürlich die Kommunen selbst.
KommUnity steht aber nicht nur für personelle Unterstützung, sondern auch für eine spürbare finanzielle Entlastung der Kommunen. Sie tragen lediglich 70 Prozent der Personalkosten. Auch das ist Ausdruck eines fairen und partnerschaftlichen Verständnisses von Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen. KommUnity dürfte in dieser Form bundesweit einzigartig sein. Vor allem aber zeigt das Programm deutlich, worauf es in den kommenden Jahren ankommen wird: auf eine Verwaltung, die nicht in alten Routinen verharrt, sondern lösungsorientiert und partnerschaftlich handelt. KommUnity zeigt, wie flexible Personalinstrumente und partnerschaftliche Zusammenarbeit die Handlungsfähigkeit der Verwaltung stärken können.
Autor des Gastbeitrags ist Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz, Hessischer Minister der Finanzen.






