Als erster Staat Europas hat Finnland einen vollständigen Lithium-Produktionszyklus – vom Bergbau bis zur Raffinerie – aufgesetzt. Im Tagebau Syväjärvi in Kaustinen wird Lithiumhydroxid in Batteriequalität gefördert.
Dafür zeichnet das finnische Bergbauunternehmen Keliber Oy verantwortlich. Dieses wiederum liegt zu 80 Prozent in der Hand des südafrikanischen Bergbaugiganten Sibanye-Stillwater. Die übrigen Anteile hält die staatliche Finnish Minerals Group.
Mit dem Projekt Keliber streben die Unternehmenspartner an, batteriefähiges Lithiumhydroxid – einen zentralen Rohstoff für Lithium-Ionen-Batterien – zu fördern. Die Arbeiten erfolgen in der zentralfinnischen Region Zentralösterbotten an der Küste des Bottnischen Meerbusens. Dort betreibt Keliber mehrere Lithiumlagerstätten auf einer Fläche von mehr als 500 Quadratkilometern.
Dass die Region über reichhaltige Lithiumvorkommen verfügt, ist bereits seit den 1950er-Jahren bekannt. Sie gelten als einige der bedeutendsten in Europa. Geplant ist eine jährliche Produktion von rund 15.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat in Batteriequalität über eine Laufzeit von mindestens 18 Jahren. Die Förderung des strategisch bedeutenden Rohstoffs liegt auch im Interesse der Europäischen Union. Folgerichtig wurde dem Vorhaben im Rahmen des EU Critical Raw Materials Act der Status eines strategischen Projekts verliehen.
Neal Froneman, CEO von Sibanye-Stillwater, nannte die Mine zwar „ziemlich klein“, betonte jedoch, dass sie aus strategischer und technologischer Sicht ausgesprochen bedeutend sei. Sie stelle die erste größere Investition des Unternehmens in Europa dar.
Ein begehrter Stoff
Der finnische Aufbau einer durchgängigen Lithium-Wertschöpfungskette fällt in eine Phase stark wachsender globaler Nachfrage. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch den Hochlauf der Elektromobilität, den Ausbau stationärer Batteriespeicher sowie die zunehmende Elektrifizierung industrieller Anwendungen. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) dürfte sich der Bedarf an Lithium bis 2030 weltweit vervielfachen und bis 2040 – je nach Szenario – um ein Mehrfaches des heutigen Verbrauchs steigen. Der globale Markt ist dabei bereits heute klar geografisch konzentriert. Die größten Fördermengen stammen aus Australien, wo Lithium überwiegend im Hartgesteinsabbau gewonnen wird. In Südamerika dominieren Chile und Argentinien mit ihren großen Salzsee-Vorkommen, sogenannten „Salaren“, aus denen Lithium über Verdunstungsverfahren extrahiert wird. Diese sogenannten „Lithium-Triangel“-Staaten zählen gemeinsam mit Australien zu den wichtigsten Rohstofflieferanten der Welt.
Die Weiterverarbeitung und Raffination hingegen ist deutlich stärker in China konzentriert. Chinesische Unternehmen wie Ganfeng Lithium und Tianqi Lithium gehören zu den weltweit führenden Akteuren in der chemischen Umwandlung zu batteriegeeignetem Lithiumhydroxid und Lithiumcarbonat. China kontrolliert damit in weiten Teilen die nachgelagerte Wertschöpfungskette.
Militärische Anwendungen von Lithium-Batterien sind vielfältig. Neben dem Einsatz in Soldaten- und Soldatinnenausstattung, zum Beispiel in Nachtsicht- und Wärmebildgeräten, Kommunikationssystemen oder GPS, sind Lithium-Batterien vor allem für unbemannte Fahrzeuge (UxV) unerlässlich.




