Dänemark plant den Ersatz der drei alternden Fregatten der Iver-Huitfeldt-Klasse. Der Auftrag gilt als eine der größten Rüstungsbeschaffungen in der Geschichte des Königreichs.
Bisher bewarben sich vornehmlich europäische Unternehmen auf das lukrative Projekt. Jetzt wirft mit HD Hyundai Heavy Industries (HHI) ein südkoreanisches Unternehmen seinen Hut in den Ring. Dabei hat das in Ulsan ansässige Unternehmen vor allem ein Ass im Ärmel: kompetitive Preise. „Wir sind 20 bis 30 Prozent günstiger als unsere europäischen Konkurrenten“, erklärte Jae Rak Kim, Senior Vice President bei HHI, gegenüber dänischen Medien. Das Land könne folgerichtig vier Schiffe zum Preis von dreien bekommen. Darüber hinaus erläuterte Kim, welche Schiffsmodelle HHI der dänischen Regierung angeboten hat: die HDF-4000 und die etwas größere HDF-6000. Letztere hat in etwa die gleiche Größe wie die derzeitigen Fregatten der Marine der Iver-Huitfeldt-Klasse.
Der weltweit größte Schiffsbauer HHI hat Kopenhagen einen ambitionierten Zeitplan vorgeschlagen. Sollte sich die dänische Regierung noch in diesem Jahr zu einer Vertragsunterschrift durchringen, könnten vier Fregatten innerhalb von etwas mehr als vier Jahren bei der dänischen Marine zulaufen. Des Weiteren kann HHI Kooperationen mit der zivilen dänischen Reedereiindustrie für sein Angebot ins Feld führen. Der südkoreanische Schiffbau-Primus lieferte mehrere Schiffe für die größte dänische Reederei A. P. Møller – Mærsk.
Gegen die Konkurrenz des alten Kontinents
Mit seinem Angebot fordert HHI europäische Werften heraus. Bislang trafen Angebote aus Deutschland, Spanien, Frankreich und Großbritannien in Kopenhagen ein.
Von der iberischen Halbinsel bewirbt sich der spanische Staatskonzern Navantia. Konkret ist eine Lösung auf Basis der F-100-/F-110-Familie vorgesehen.
Frankreich wirbt für die von der Naval Group gebaute FDI-Fregatte. Dabei handelt es sich um ein vielseitiges Hochseekriegsschiff, das für den Einsatz sowohl im Alleingang als auch als Teil einer Einsatzgruppe im gesamten Spektrum der Seekriegsführung konzipiert ist. Das Konzept konnte außerhalb Frankreichs bereits in Griechenland überzeugen. Der britische Schiffbauer Babcock geht mit der Fregatte vom Typ 31 ins Rennen. Deren Rumpfkonstruktion basiert auf der dänischen Iver-Huitfeldt-Klasse. Damit können die Briten starke Argumente bezüglich der Kompatibilität mit bestehenden dänischen Systemen anbringen.
Die deutsche Werft Naval Vessels Lürssen (NVL Group) wiederum setzt auf ein Design, das sich durch eine ungewöhnlich kurze Gesamtlänge von nur 121,1 Metern bei einem Tiefgang von fünf Metern auszeichnet.
Allerdings haben die Naval Group und Babcock mit Lieferproblemen bei heimischen Fregattenaufträgen zu kämpfen. Die Zuläufe an die heimischen Marinen sind im Verzug.
HHI verfügt über industrielle Kapazitäten weit über den Möglichkeiten der europäischen Industrie. Die südkoreanische Werft betreibt 14 Trockendocks, beschäftigt 19.000 Mitarbeitende in der Produktion und kann auf die Expertise von 3.400 Ingenieurinnen und Ingenieuren bauen. Angesichts dieser Zahlen sinkt die Wahrscheinlichkeit, wie die europäische Konkurrenz in Kapazitätsengpässe zu geraten, signifikant.
Heimische Produktion hat Vorrang
Allerdings stehen HHI politische Hürden im Weg, welche die Mitbewerber vom alten Kontinent nicht überwinden müssen. Eine Mehrheit im dänischen Parlament ist sich einig, dass die Schiffe größtenteils in Frederikshavn gefertigt werden sollten.
HHI hofft, diese Vorbehalte mit einem hybriden Modell umgehen zu können. Es sieht vor, die erste Fregatte in Südkorea zu fertigen. Die verbliebenen drei Schiffe sollen im Anschluss auf dänischem Boden entstehen. Mit einem derartigen Arrangement konnte sich HHI bereits auf den Philippinen durchsetzen. In diesem Fall hospitierten philippinische Ingenieure und Schiffbauer in Korea, um anschließend in ihrer Heimat die nächsten Schiffe zu bauen. Kim betonte allerdings, dass ein hybrides Vorgehen und die aggressive Preispolitik von HHI nicht vereinbar seien. Die europäische Konkurrenz im Endpreis um 20 bis 30 Prozent zu unterbieten, sei unter diesen Umständen nicht möglich.




