„Einmal Polizei, immer Polizei“. Vielen Polizeibediensteten gilt dieser Satz als geflügeltes Wort. Doch was einst wie ein Grundsatz klang, befindet sich mittlerweile im Wandel.
Polizeien stehen immer stärker nicht nur vor der Herausforderung, geeignetes Personal zu finden, sondern dieses Personal auch auf lange Sicht an sich zu binden. „Es herrscht längst keine Goldgräberstimmung mehr“, erklärte der Hamburger Polizeipräsident Falk Schnabel. Stattdessen müsse es viel mehr um die Beantwortung der Frage gehen: Wie attraktiv ist es noch, ein Leben lang bei der Polizei zu arbeiten? Um Schnabels Zuständigkeitsbereich, die Hansestadt Hamburg, ist es dabei vergleichsweise gut bestellt. Auf eine Stellenausschreibung kommen hier im Schnitt acht bis zehn Bewerbende. In Baden-Württemberg und Niedersachsen liegt die Quote bei 1 zu 4,5.
Es geht um Werte und persönliche Einstellungen
Aus Sicht von Jörg Lehnert, ehemaliger Leiter der Geldwäscheaufsicht in Berlin, sei vor allem im mittleren Dienst der Polizei das Personalgewinnungsproblem ausgeprägt. Der Bedarf könne hier kaum gedeckt werden. „Man muss sich dann schon die Frage stellen: Will ich die, die auf dem Markt sind, überhaupt noch haben?“, führte er aus. Bei Vereidigungen, so Schnabel, habe in der Regel ein Drittel zuvor eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen. Es seien Juristen mit erstem Staatsexamen oder Menschen, die zuvor in der Pflege gearbeitet haben, unter den neuen Mitarbeitenden. Dadurch würden aber auch Reife und Vorerfahrungen mit eingebracht -eine positive Entwicklung.
Matthias Schwarze leitet an der Polizeiakademie Niedersachsen das Projekt „Generation Zukunft Polizei“ und hat dabei die Erfahrung gemacht, dass es heute mehr um Werte und persönliche Einstellungen gehe. Es werde ein anderes Personal gesucht als noch vor 20 Jahren. „Auf der anderen Seite bemerken wir aber auch, dass durch das hybride Arbeiten das Wir-Gefühl immer mehr verloren geht.“
Um Polizistinnen und Polizisten nicht nur anzuwerben, sondern langfristig zu halten, müsse die intrinsische Motivation stärker gefördert werden, ergänzte Lehnert. „Wir arbeiten für das Land und wir müssen unseren Beschäftigten mehr zeigen, dass sie gebraucht werden“, sagte er. Dabei sei es ein Problem, dass Spezialisten aufgrund der Entgeltregelung im Öffentlichen Dienst nicht ausreichend honoriert werden können. „Dadurch hängen die Menschen in einer Karriere-Sackgasse fest“, sagte er. Es müssten andere Formen der Honorierung von Leistungen gefunden werden.




