Organisierte Kriminalität (OK) hat kein Geldproblem: Weltweit werden jährlich nur zwei Prozent der illegalen Erlöse beschlagnahmt.
Wie Bruna Szego, Vorsitzende der Anti-Money Laundering Authority (AMLA), am ersten Tag des Europäischen Polizeikongresses (EPK) betonte, fließt Geld aus kriminellen Geschäften häufig durch mehrere europäische Länder. Das erschwere die Verfolgung erheblich. Aktuell agieren rund 70 Prozent der OK-Gruppierungen in mehr als drei Staaten. Es könne daher von einer gezielten Ausnutzung nationaler Grenzen gesprochen werden.
Einen zentralen Bestandteil dieser Strukturen bildet die Geldwäsche. „Geldwäsche macht organisierte Kriminalität nachhaltig. Durch Geldwäsche wird es kriminellen Netzwerken ermöglicht, nicht nur zu überleben, sondern auch zu wachsen und ihre Erlöse in weitere kriminelle Aktivitäten zu reinvestieren – ohne diese Fähigkeit könnten sie ihre Gelder weder bewegen noch verschleiern oder nutzen“, verdeutlichte Szego.
Harmonie durch neue Strukturen
An einer harmonisierten Zusammenarbeit der europäischen Sicherheitsbehörden und einer konsequent grenzüberschreitenden Strafverfolgung fehle es bislang jedoch noch. Genau hier soll die AMLA ansetzen. Die europäische Behörde nahm Anfang Juli 2025 ihre Arbeit auf und befindet sich derzeit noch im Aufbau. Ziel der Behörde mit Sitz in Frankfurt am Main ist es, einheitliche Standards bei der Bekämpfung von Geldwäsche zu schaffen.
Dabei soll laut Szego auch eng mit dem privaten Sektor zusammengearbeitet werden. Bereits heute melden Unternehmen verdächtige Aktivitäten an die jeweiligen Financial Intelligence Units (FIU) der Mitgliedstaaten. Künftig soll die AMLA diese Informationen stärker bündeln, da die zuständigen Akteure in den 27 EU-Staaten bislang noch sehr unterschiedlich organisiert seien.
Auch der Parlamentarischer Staatssekretär des italienischen Innenministeriums Nicola Molteni betonte die Notwendigkeit einer engeren europäischen Zusammenarbeit. Viele Länder könnten hierbei von Italien und dem Ansatz „Follow the money“ lernen. Gleichzeitig stehe jedoch auch Italien vor der Herausforderung, dass sich die Finanzierung organisierter Kriminalität zunehmend in den digitalen Raum verlagere. Molteni sprach in diesem Zusammenhang von einer „digitalen Revolution“. Diese verändere Kriminalität und Strafverfolgung bereits seit Jahren grundlegend.
Der rechtliche Rahmen, in dem Strafverfolgungsbehörden arbeiten, hinke dieser Entwicklung jedoch häufig hinterher, kritisierte Gianluca Vitagliano, Leiter der italienischen Finanzpolizei der Carabinieri. Zwar wurden bereits 2024 neue EU-Regularien zur Geldwäschebekämpfung beschlossen – Teil davon auch die Errichtung der AMLA –, in Kraft treten soll das Gesetzespaket jedoch erst im Juli 2027. Diese Zeitspanne verschaffe kriminellen Netzwerken genügend Zeit, sich auf die Änderungen einzustellen, so Vitagliano. Die EU drohe damit auch künftig hinter der Entwicklung zurückzubleiben.




