Mit einer groß angelegten Übung „resConEx 2026“ haben das Technische Hilfswerk (THW) die Bundespolizei und Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz (BBK) erstmals ihre gemeinsame europäische CBRN-Dekontaminationseinheit RescEU Decon Germany unter realistischen Einsatzbedingungen erprobt. Die Übung dient zugleich als Nachweis der Einsatzfähigkeit gegenüber der Europäischen Kommission. Bis Ende September soll die deutsche Einheit offiziell in Dienst gestellt werden.
Die neue Fähigkeit ist Teil des europäischen Katastrophenschutzverfahrens und wurde für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahrenlagen (CBRN) entwickelt. Sie steht als strategische Reserve für Einsätze innerhalb und außerhalb der Europäischen Union bereit.
„Die Europäische Union betrachtet insbesondere Szenarien, in denen einzelne Mitgliedstaaten mit einer Lage überfordert wären. Genau für solche Fälle werden diese Fähigkeiten aufgebaut und vorgehalten“, erläuterte Projektverantwortlicher Tobias Schönherr von der Bundespolizei. Grundlage seien umfassende Risikoanalysen auf nationaler und europäischer Ebene. Für den Aufbau entsprechender Kapazitäten stellt die Europäische Union im aktuellen Finanzierungszeitraum bis 2027 insgesamt 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Weitere Einheiten werden in Spanien und Kroatien vorgehalten. Zwar haben sich die Projektverantwortlichen auch gegenseitig besucht, jedoch entwickelt jedes Land seine Fähigkeiten und Abläufe in Eigenregie. Zudem hat sich Kroatien nur für die Reinigung von Gebäuden, Straßen und Fahrzeugen beworben. Die Reinigung bzw. Dekontamination von Person wird den Spaniern und Deutschen überlassen.
Internationales Interesse
Die internationale Bedeutung der Fähigkeit spiegelte sich auch in der Teilnahme zahlreicher Beobachterinnen und Beobachter wider. Delegationen aus Europa, dem Nahen Osten und Asien verfolgten die Übung in Köln. „Wir handeln nicht allein, sondern arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen. Unsere CBRN-Gemeinschaft ist europaweit und weltweit vernetzt“, sagte Schönherr.
Für die Übung waren insgesamt rund 800 Einsatzkräfte vor Ort im Einsatz. Neben 250 Kräften von THW und Bundespolizei beteiligten sich rund 420 Einsatzkräfte der Feuerwehr Köln, der Rettungsdienste und der Hilfsorganisationen. Hinzu kamen etwa 500 Statistinnen und Statisten, die das Übungsszenario realitätsnah darstellten.
Die gemeinsame Einheit gliedert sich in vier operative Komponenten. Zwei Einheiten des THW übernehmen die Dekontamination von Infrastruktur und Fahrzeugen. Die Bundespolizei stellt zwei weitere Einheiten für die Dekontamination von Kleingegenständen sowie von ungeschützten Personen. Ergänzt wird die Struktur durch eine gemeinsame Führungs- und Unterstützungskomponente.
„Im Vollausbau umfasst die Einheit mehr als 60 Fahrzeuge und rund 300 Einsatzkräfte. Sie ist darauf ausgelegt, innerhalb von zwölf Stunden marschbereit zu sein“, erklärte Nils Jakubeit, Projektverantwortlicher des THW. Würden alle Fahrzeuge hintereinander aufgestellt, ergäbe sich ein Konvoi von acht bis neun Kilometern Länge.
Das Übungsszenario mit dem fiktiven Staat „Rheinlandia“ simulierte die vorsorgliche Entsendung der Einheit zur Absicherung einer internationalen Sportgroßveranstaltung. Nach einem angenommenen Schadensereignis mit kontaminierten Personen musste die internationale Hilfeleistung anlaufen und die Dekontaminationskapazitäten zum Einsatz kommen. Die Europäische Kommission, das Bundesinnenministerium, das THW und die Bundespolizei finanzierten die Übung gemeinsam.
Die Übung markiert zugleich einen Meilenstein der behördenübergreifenden Zusammenarbeit. Über viereinhalb Jahre hinweg entwickelten THW, Bundespolizei und BBK gemeinsam die neue Fähigkeit. Die jetzt durchgeführte Vollübung brachte erstmals sämtliche Komponenten unter realistischen Bedingungen zusammen.
„Wir führen diese Übung nicht als Selbstzweck durch. Unser Ziel ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die wir in die weitere Entwicklung der Einheit einfließen lassen können“, betonte Jakubeit. Die umfassende Evaluation der Abläufe bildet daher einen zentralen Bestandteil der Veranstaltung. Andrea Schumacher, Leiterin der Abteilung für Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz im Bundesinnenministerium, fügte hinzu: „Die heutige Übung steht zugleich für einen grundlegenden Wandel im Verständnis von Zivilschutz und ziviler Gefahrenabwehr.“
Mit der erfolgreichen Zertifizierung durch die Europäische Kommission wird Deutschland künftig über eine hochspezialisierte CBRN-Einsatzfähigkeit verfügen, die im Bedarfsfall europaweit und international eingesetzt werden kann. Ergebnisse der Übung werden in ein paar Wochen erwartet.





