So weit wie in Dresden ist es glücklicherweise nicht gekommen. Dennoch fällt aufgrund massiver Mängel erneut eine wichtige Brücke in einer Großstadt aus. Dieses Mal traf es die Bundesstadt Bonn: Die Bonner Nordbrücke bleibt gesperrt. Der Pendlerverkehr muss große Umwege in Kauf nehmen, aber auch die Gefahrenabwehr muss sich anpassen.
Die gute Nachricht zuerst: Die Bonnerinnen und Bonner können sich weiterhin auf den Rettungsdienst und die Feuerwehr verlassen, wenn sie in Not sind. „Bei den Eintreffzeiten der ersten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst ist keine Verlängerung zu beobachten“, heißt es auf Anfrage vonseiten der Stadt Bonn.
Aufgrund der im gesamten Stadtgebiet verteilten Standortstruktur von Feuerwehr und Rettungsdienst – bestehend aus Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr sowie städtischen Rettungswachen – seien die Rettungsmittel über kurze Fahrstrecken nach wie vor gut verfügbar. Die Eintreffzeiten seien nicht signifikant länger, so Marc Hoffmann, stellvertretender Pressesprecher der Stadt. Einzig bei der Unterstützung zwischen den Wachen, dem Ausrücken der Freiwilligen Feuerwehr sowie bei den Kräften der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) käme es zu Verzögerungen. Aus diesem Grund wurde unter anderem die Alarm- und Ausrückeordnung teilweise angepasst, um weiterhin eine schnelle Hilfeleistung gewährleisten zu können. Des Weiteren wird die Verkehrssituation tagesaktuell in der Leitstelle überwacht. Bei Alarmierungen von Feuerwehr und Rettungsdienst wird ad hoc durch die Festlegung optimaler Fahrtrouten und die Alarmierung zusätzlicher Einsatzkräfte reagiert.
Als weitere Maßnahmen zur Gewährleistung der Gefahrenabwehr wurden nach der Bekanntgabe der Brückensperrung die Ausrückreihenfolge bei Unterstützungskräften von anderen Wachen geändert, Einsatzmittel verlegt sowie interne Prozesse wie Wachwechsel oder Logistik angepasst.
Geringe Auswirkungen in Dresden
In Dresden, wo 2024 die Carolabrücke einstürzte, sammelte die Dresdener Berufsfeuerwehr schon Erfahrungen mit diesem Thema. Auch hier beeinträchtigte der Wegfall der Elbüberquerung die Arbeit der Feuerwehr wenig. Bereits vor dem Brückenschaden war die Carolabrücke insbesondere tagsüber aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens für Rettungsfahrzeuge nur eingeschränkt nutzbar, heißt es vonseiten der Stadt. „Ein großflächiges Anpassen von Einsatzrouten oder Standorten war nicht erforderlich. Lediglich in Einzelfällen, etwa bei der Unterstützung benachbarter Rettungswachen, werden andere Fahrwege genutzt. Dadurch können sich insbesondere nachts geringfügige Zeitverluste ergeben“, heißt es auf Anfrage.
Eine grundsätzliche Verschlechterung der Erreichbarkeit innerhalb der Stadt sei nicht festzustellen. Zwar habe sich die Hilfsfrist unmittelbar nach dem Wegfall leicht verschlechtert, dies könne jedoch nicht allein auf den Wegfall der Carolabrücke zurückgeführt werden, da gleichzeitig die Zahl der Einsätze weiter gestiegen sei.
2026 gab es allein auf Bundesfernstraßen 40.264 Brücken, wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) mitteilt. Von diesen weisen vier Prozent die Zustandsnote 3,0 bis 3,4 auf (nicht ausreichender Zustand) und 0,4 Prozent die Note 3,5 bis 4,0 (ungenügender Zustand). Die Zustandsnote bildet die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung. Sie zeigt die Dringlichkeit notwendiger Maßnahmen an, gibt jedoch keinen Aufschluss über Art und Umfang der Schäden, heißt es in der Erläuterung der Zustandsnoten. „Eine Zustandsnote von 3,5 und schlechter beschreibt einen ‚ungenügenden Bauwerkszustand‘, bei dem die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben sind“, so die BASt weiter.





