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Nicht nur Beiwerk

Smart-City-Projekte als Landkreis umsetzen? Das geht – vor allem dann, wenn alle, auch Jugendliche, miteinbezogen werden. Denn bei solchen Projekten wird schnell klar, dass es nicht um die bloße technische Umsetzung von digitalen Technologien und Lösungen geht. Sie müssen auch sinnvoll in den Alltag der Menschen integriert werden.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont erkannte im Förderprogramm „Smart Cities made in Germany“ eine Chance, den Landkreis in digitalen Themen schnell voranzubringen. Die thematische Offenheit des Programms ermöglichte es außerdem, die Förderschwerpunkte den Themen der Region anzupassen.

Die gemeinsame Suche nach Herausforderungen

Die Umsetzung des Smart-City- Projekts auf Landkreisebene stellte den Landkreis Hameln-Pyrmont dann noch einmal vor besondere Herausforderungen. Denn das Förderprogramm ist ursprünglich auf Städte zugeschnitten – die Ideen für einen Flächenlandkreis mussten daher erst entwickelt werden. Schnell war klar, dass hier die aktive Einbindung der Bürgerinnen und Bürger nicht fehlen durfte. In insgesamt acht Kommunaldialogen wurden deshalb in einem ersten Schritt Ideen und Wünsche aus der Bevölkerung gesammelt. Dabei zeigte sich: Gewünscht sind Orte der persönlichen Begegnung ebenso wie digitale Werkzeuge, die das Miteinander (insbesondere in und zwischen Vereinen – etwa bei der Planung von Terminen im Dorf) erleichtern. Aus diesen Impulsen entstanden drei zentrale Bausteine der Strategie: das „Mitwirklabor“ und die sogenannten „RegioHubs“ sowie die digitale Plattform „HaPy vernetzt“.

Das Mitwirklabor als zentrale Einrichtung in Trägerschaft des Landkreises verbindet analoge und digitale Angebote und hat sich zu einem Ort der digitalen Bildung und Bürgerbeteiligung entwickelt. Bürgerinnen und Bürger können hier eigene Projektideen umsetzen und aktiv an der Weiterentwicklung der Smart- City-Projekte mitarbeiten. Für einen der beteiligten Jugendlichen besonders interessant war, „zu sehen, wie verschiedene Akteure, Verwaltung, Entwickler und Bürger zusammenarbeiten müssen, damit solche Projekte erfolgreich umgesetzt werden können“.

Die gemeinsame Arbeit an Lösungen

Beim HamelnHack 2025 haben wir eine Herausforderung formuliert, welche durch die Kommunaldialoge an uns herangetragen wurde. Sowohl Kommunen, als auch Vereine, aber auch Schulen und das Smart City-Team sind häufig im Besitz von Geräten oder Gegenständen, die sie gerne verleihen würden – aber es fehlt an Personal, um diesen Verleih zu organisieren. So entstand die Idee eines „digitalen Verleihschranks“, welcher allerdings in das Budget von Vereinen und Schulen passen sollte und den Smart-City-Kriterien genügen musste. Diese Herausforderung – und einen alten Industriespind – brachten wir in den Hackathon 2025 ein. Damals hatten wir noch große Sorge, uns mit dieser Challenge zu blamieren. Das genaue Gegenteil war der Fall: Wir konnten damit punkten, dass unsere Herausforderung einen klaren Nutzen und verschiedene technische Herausforderungen hatte. Durch die gemeinsame Arbeit an einem sinnhaften und nachhaltigen Projekt entstand ein Gemeinschaftsgefühl, welches durch die Freude über den ersten Preis für den besten Prototypen noch vergrößert wurde. Der Mehrwert für alle Beteiligten ist sogar so groß, dass die Gruppe ehrenamtlich an diesem Projekt weiterarbeitet und kurz davor steht, die Software und eine Anleitung zum Selbstbau eines Schranks fertigzustellen.

Auch in weiteren Beteiligungsprojekten entstehen innovative Lösungen. So wurde gemeinsam mit Jugendlichen eine App entwickelt, die mit einem LoRaWAN-Bodenfeuchtesensor im Gemeinschaftsgarten der Stadt Hameln verknüpft ist. Sie zeigt an, wann Beete tatsächlich bewässert werden müssen – ein praktischer Beitrag zur effizienten Pflege von Gemeinschafts- und Schulgärten. Gleichzeitig erwerben die beteiligten Jugendlichen wertvolle Kenntnisse in der Open- Source-App-Entwicklung. Einer der Jugendlichen dazu: „Ich fand es spannend, an einem Projekt mitzuwirken, das einen realen Nutzen für die Gesellschaft hat und nicht nur theoretischer Natur ist.“ Diese Beispiele zeigen: Bürgerbeteiligung ist kein Beiwerk, sondern ein zentraler Motor der Smart-City- Entwicklung im Landkreis – praxisnah, gemeinschaftlich und zukunftsorientiert. Denn es entstehen dabei Ideen für die Vereine, Kommunen und Institutionen im Landkreis sowie erste Start-up-Ideen und wechselseitiges Verständnis – daher der Name „Win-win-win-Format“: „Durch das Projekt habe ich einen deutlich besseren Einblick in die Strukturen und Aufgaben des Landkreises bekommen“ – so ein weiterer Jugendlicher aus der Mitwirkgruppe.

Die RegioHubs verfolgen ähnliche Ziele wie das Mitwirklabor, aber sie sind stärker mit dem lokalen Vereinsleben vor Ort verbunden. Die RegioHubs entwickeln sich nun selbst zu Orten der Bürgerbeteiligung. Hier werden gemeinsam kleine Projekte umgesetzt. Teilweise übernehmen engagierte Bürgerinnen und Bürger sogar gemeinsam mit den Kommunen die Trägerschaft für den Regio- Hub. Alle RegioHubs haben ein eigenes Schwerpunktthema, welches ihnen als Anker für ihre Aktivitäten und Projekte dient. Die Themen reichen von der Zusammenarbeit der Generationen über den souveränen Umgang mit Social Media bis hin zu Literatur und Kultur. Immer aber steht die Frage im Mittelpunkt, wie das Zusammenleben im Landkreis mit analogen und digitalen Mitteln verbessert werden kann.

Weitere Infos finden Sie hier.

Autorin des Gastbeitrags ist Dr. Sybille De La Rosa, die Teamleiterin und Projektmanagerin im Smart-City-Team Hameln-Pyrmont ist. Davor war sie in der Demokratiebildung und Demokratieforschung tätig.

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