Für viele kommunale Versorger wird die Finanzierung des zwingend notwendigen Stromnetzausbaus zunehmend zu einer kaum noch stemmbaren Herausforderung. Eine aktuelle Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) schlägt nun Alarm: Drei Viertel der befragten Stadtwerke bewerten ihre eigene Finanzierungskraft als angespannt oder gar kritisch.
„Ohne bessere Rahmenbedingungen droht der Netzausbau zum Nadelöhr der Energiewende zu werden“, warnt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Die Zahlen der neuen Erhebung zeichnen ein alarmierendes Bild der kommunalen Realität: Lediglich neun Prozent der Unternehmen stufen ihre derzeitige finanzielle Lage für die anstehenden Mammutaufgaben als gut oder sehr gut ein.
Dabei stehen die Verteilnetze vor einem beispiellosen Stresstest. In den kommenden Jahren müssen sie massiv ausgebaut und ertüchtigt werden, um erneuerbare Energien, Wärmepumpen, Ladeinfrastrukturen für die E-Mobilität sowie neue industrielle Anwendungen zuverlässig anzuschließen. Neben den enormen Investitionssummen bereiten den Netzbetreibern vor allem regulatorische Unsicherheiten und die Entwicklung der Netzentgelte Sorgen.
Regulierungsrahmen in der Kritik
Ein Großteil der Branche stellt der Politik ein schlechtes Zeugnis aus: 74 Prozent der Unternehmen halten den aktuellen Regulierungsrahmen für nicht investitionsfördernd. „Die Bundesnetzagentur muss den Netzbetreibern ausreichend Spielraum geben, um die notwendigen Milliardeninvestitionen zu refinanzieren“, fordert Liebing. Konkret brauche es eine bessere Eigenkapitalausstattung der Netzbetreiber, verlässliche regulatorische Vorgaben und eine spürbare Beschleunigung der Prozesse im Netzbereich.
Auch mit Blick auf die Bundespolitik mahnt der Verband zur Eile. Weitere Verzögerungen bei der EEG-Novelle und dem anstehenden Netzpaket seien fatal. „Jede weitere Woche erhöht das Risiko, dass zentrale Reformen in diesem Jahr nicht mehr abgeschlossen werden“, so der VKU-Hauptgeschäftsführer. Beide Vorhaben seien das absolute Fundament, um den Ausbau der Erneuerbaren endlich engmaschig mit dem Netzausbau zu verzahnen.
Trotz der Hürden gibt es laut Umfrage auch Fortschritte: Beim sogenannten Redispatch – dem kurzfristigen Ausgleich von Netz-engpässen – kommen die Stadtwerke voran. 62 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Prozesse in diesem Bereich als stabil oder funktionsfähig, weitere 32 Prozent befinden sich im systematischen Aufbau. Scharfe Kritik übt der VKU jedoch an einem geplanten Redispatch-Vorbehalt, der monatelang für Rechtsunsicherheit gesorgt hatte. Dieser sah vor, dass neue Ökostromanlagen bei netzbedingten Abregelungen auf Entschädigungen verzichten müssen. „Wer Investitionen beschleunigen will, darf keine zusätzlichen, kaum kalkulierbaren Risiken schaffen“, kritisiert Liebing.
Für die Bürgerinnen und Bürger stehen unterdessen handfeste Prioritäten im Fokus: 95 Prozent halten eine lückenlose Versorgungssicherheit für essenziell, 92 Prozent fordern stabile Strompreise. Auch schnelle Netzanschlüsse gewinnen an Bedeutung. Um den Strom dauerhaft bezahlbar zu halten, drängen die Stadtwerke abschließend auf eine Reform der Netzentgelte, eine Senkung der Stromsteuer sowie einen schnelleren Ausbau von Speichertechnologien.



