Interview mit Daniel Zimmermann (Materna Virtual Solution) und Oliver Brown (Wire)
Materna Virtual Solution und Wire haben jüngst ihre Partnerschaft bekannt gegeben, um Kompetenzen in den Bereichen sichere Kommunikation, Mobilität und IT-Sicherheit zu bündeln. Welchen konkreten Mehrwert bietet diese Partnerschaft für Behörden und andere sicherheitskritische Organisationen?
Daniel Zimmermann: Der größte Mehrwert entsteht durch eine ganzheitliche Lösung für sicheres, ultramobiles Arbeiten und sichere Kommunikation. Behörden und sicherheitskritische Organisationen benötigen heute keinen weiteren isolierten Messenger oder zusätzliche Einzellösungen, sondern einen durchgängigen mobilen Arbeitsplatz.
Unsere Containerlösung SecurePIM bündelt alle zentralen Module für sicheres ultramobiles Arbeiten in einer geschützten mobilen Arbeitsumgebung – darunter E-Mail, Kalender, Kontakte, Browser, Kamera und weitere Funktionen. Durch die Anbindung von Wire wird diese Arbeitsumgebung um sicheres Messaging sowie Sprach- und Videotelefonie erweitert. So entstehen nahtlose Arbeits- und Kommunikationsprozesse ohne Medienbrüche.
Das reduziert die Systemfragmentierung, vereinfacht die Nutzung und schafft eine konsistente Sicherheitsarchitektur bis hin zu VS-NfD. Gleichzeitig stärken wir die digitale und mobile Datensouveränität unserer Kunden: Sie behalten die Kontrolle über ihre sensiblen Informationen und können auf Smartphones und Tablets jederzeit sicher, produktiv und selbstbestimmt arbeiten.
Viele Behörden arbeiten mit einer Vielzahl einzelner Sicherheits-, Kommunikations- und Produktivitätslösungen. Warum stößt dieser fragmentierte Ansatz zunehmend an seine Grenzen?
Oliver Brown: In den meisten Fällen wurden über die Jahre etliche Einzellösungen angesammelt: ein Messenger hier, eine Videolösung dort, ein separates Dateiablage- und Freigabesystem, dazu eine eigene Identitätsverwaltung. Jedes dieser Systeme bringt eigene Administrationslogik und Schnittstellen mit. Genau an diesen Schnittstellen entstehen die kritischen Lücken. Zudem wird die Administration komplexer und fehleranfälliger, weil Berechtigungen und Richtlinien in mehreren Systemen parallel gepflegt werden müssen. Das erhöht das Risiko von Fehlkonfigurationen und damit von Datenabflüssen. Die Angriffsfläche steigt mit jedem zusätzlichen Tool und je mehr Schnittstellen existieren, desto schwerer lässt sich eine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung garantieren. Gleichzeitig steigt der Druck durch regulatorische Anforderungen wie NIS2, die ein konsistentes, nachvollziehbares Sicherheits- und Risikomanagement über die gesamte Prozesskette verlangen. Nicht zuletzt fördert die Fragmentierung auch das Phänomen der Schatten-IT.
Bei Behörden und sicherheitskritischen Organisationen steigen die Anforderungen an die Informationssicherheit, Compliance und digitale Souveränität. Gleichzeitig wächst der Bedarf an mobilem und flexiblem Arbeiten. Wie gelingt dieser Spagat in der Praxis?
Zimmermann: Der Spagat kann nur gelingen, wenn Sicherheit und User Experience nicht länger getrennt gedacht werden, sondern in einer gemeinsamen Plattform zusammenkommen. Das bedeutet konkret: Eine geschützte Arbeitsumgebung auf dem Endgerät bildet die Basis, in der alle zentralen Funktionen, von Kommunikation über Datenzugriff bis hin zu Kollaboration, einheitlich abgebildet werden.
Wichtig ist dabei, dass die Sicherheit nicht durch zusätzliche Hürden entsteht, sondern im Hintergrund funktioniert. Identitätsmanagement, Verschlüsselung und Rechteverwaltung müssen also integriert sein, statt verteilt über viele Einzellösungen. Auf diese Weise fördern wir die digitale Souveränität. Eben nicht durch den Verzicht auf mobiles Arbeiten, sondern durch eine kontrollierte Integration, die sicher, auditierbar und zugleich alltagstauglich für den Behördenbetrieb ist.
Wie wichtig sind europäische Technologien für die digitale Souveränität von Behörden?
Brown: Digitale Souveränität ist für Behörden eine Frage der tatsächlichen Kontrolle über Daten, Systeme und rechtliche Zugriffe, nicht nur des Serverstandorts. Sobald Kommunikationslösungen unter außereuropäischen Rechtsräumen betrieben werden, entstehen potenzielle Zugriffsmöglichkeiten durch externe Gesetzgebungen wie den US CLOUD Act, die sich dem Einfluss der Behörde entziehen können.
Europäische Technologien sind deshalb zentral, weil sie drei Dinge ermöglichen: erstens klare europäische Jurisdiktion ohne strukturelle Abhängigkeiten, zweitens flexible Betriebsmodelle von Cloud über On-Premises bis hin zu hochisolierten Umgebungen und drittens bessere Nachvollziehbarkeit durch auditierbare oder offene Architekturen.
Behörden müssen also zwingend die Kontrolle über ihre kritische Kommunikation und Infrastruktur behalten, statt sie faktisch an externe Anbieter auszulagern. Souveränität entsteht so nicht durch Isolation, sondern durch die Fähigkeit, Technologie, Betrieb und Datenverarbeitung eigenständig zu steuern und sicher zu gestalten.
Wie sieht aus Ihrer Sicht eine leistungsfähige ultramobile Arbeitsumgebung für Behörden aus?
Zimmermann: Die Zukunft liegt nicht in immer mehr einzelnen Apps, sondern in einer ganzheitlichen mobilen Arbeitsumgebung, die Sicherheit, Kommunikation, Fachverfahren und Zusammenarbeit nahtlos miteinander verbindet. Mitarbeitende müssen flexibel zwischen stationärem und mobilem Arbeiten wechseln können – im Büro, im Homeoffice, unterwegs oder im Einsatz. Informationen müssen jederzeit sicher verfügbar sein, ohne Medienbrüche oder Datenverluste.
Dabei geht es nicht nur um höchste Sicherheitsstandards, sondern auch um Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit. Eine moderne mobile Arbeitsumgebung muss sich den unterschiedlichen Anforderungen von Behörden anpassen und gleichzeitig intuitiv nutzbar sein. Denn die sicherste Lösung nützt wenig, wenn sie im Alltag nicht akzeptiert wird.
Gleichzeitig sehen wir den Aufbau eines offenen App-Ökosystems als entscheidenden Erfolgsfaktor. Fachanwendungen und neue Funktionen müssen sich einfacher integrieren lassen, damit Behörden ihre mobilen Arbeitsplätze kontinuierlich erweitern und an neue Anforderungen anpassen können.
Am Ende entsteht so eine Arbeitsumgebung, die digitale und mobile Souveränität ermöglicht und Mitarbeitenden die Freiheit gibt, jederzeit und überall sicher, produktiv und selbstbestimmt zu arbeiten.
Blicken wir drei bis fünf Jahre in die Zukunft: Wenn Sie ein Idealbild der ultramobilen Behörde zeichnen müssten, wie sieht der Alltag eines Beamten aus und wie flexibel agiert die IT im Hintergrund?
Brown: In drei bis fünf Jahren sieht das Idealbild einer ultramobilen Behörde so aus, dass Mitarbeitende über eine zentrale mobile Arbeitsumgebung auf alle für ihre Aufgaben relevanten Anwendungen zugreifen können. Kommunikation, Videokonferenzen, Aktenzugriff greifen dabei nahtlos ineinander. Auch spezialisierte Fachanwendungen lassen sich ohne Medienbrüche einbinden, sodass Informationen sicher im Hintergrund zwischen den Anwendungen ausgetauscht werden. Sicherheit ist dabei kein Zusatz, sondern der permanente Standard im Hintergrund.
Parallel dazu wird die IT deutlich agiler und kontrollierter: Geräte werden automatisch vertrauenswürdig verwaltet, Zugriffsrechte zentral gesteuert und bei Bedarf sofort entzogen. Daten und Betrieb bleiben dabei vollständig in der Hand der Behörde, von der Cloud bis hin zu hochisolierten Umgebungen. Der eigentliche Fortschritt ist, dass Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit kein Widerspruch mehr sind. Mobile Arbeit wird selbstverständlich sicher, integriert und souverän betrieben.
Dieser Beitrag ist eine Anzeige von Materna Virtual Solution und Wire.



