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StartStaat & RathausBremsklotz Berlin: Rathäuser strafen Regierung ab

Bremsklotz Berlin: Rathäuser strafen Regierung ab

Eine repräsentative Umfrage offenbart: Die Digitalisierung ist in den Kommunen längst als Notwendigkeit anerkannt und Künstliche Intelligenz hält rasant Einzug. Doch knappe Budgets, bürokratische Vorgaben und ein Ost-West-Gefälle trüben die Aufbruchsstimmung.

97 Prozent der deutschen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister erachten die Digitalisierung ihrer Verwaltung als wichtig oder sehr wichtig für die Stadtentwicklung. Das zeigt die zweite repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Softwareanbieters Meister, für die im Mai/Juni 2026 bundesweit 1.296 Rathauschefs aus Kommunen ab 1.000 Einwohnern befragt wurden. Trotz dieser hohen Relevanz stagniert der Fortschritt: 28 Prozent bewerten den Digitalisierungsgrad ihrer Verwaltung als „nicht zufriedenstellend“ oder „unzureichend“. Die Durchschnittsnote verharrt wie 2025 bei einer ausbaufähigen 3,7. Der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD stellen die Kommunen ein schlechtes Zeugnis aus: 70 Prozent sind der Auffassung, dass diese keine geeigneten Rahmenbedingungen geschaffen hat.

Regulatorik und Budgets als Bremsklötze

Als größte Hemmnisse bei Digitalisierungsprojekten gelten regulatorische Hindernisse (76 Prozent), eine fehlende Finanzierung (65 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (49 Prozent). Bei der Einführung neuer Software bremsen vor allem hohe Kosten (74 Prozent) und die schwierige Integration in bestehende IT-Systeme (69 Prozent). Zwar meldet knapp die Hälfte (48 Prozent) gestiegene Digitalisierungsbudgets in den letzten drei Jahren, dennoch warnen 34 Prozent der Rathauschefs davor, dass Budgetbeschränkungen das Risiko für Cyberangriffe auf ihre Kommune deutlich erhöhen.

Besonders bemerkenswert ist das Tempo, mit dem Künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag ankommt: 16 Prozent setzen KI bereits produktiv ein, bei weiteren 36 Prozent wird sie intensiv erprobt. Von den übrigen Kommunen planen 68 Prozent eine Einführung in den nächsten zwei Jahren. Die Gemeindegröße ist dabei ein wesentlicher Treiber: In Kommunen unter 5.000 Einwohnern nutzen oder testen erst 39 Prozent KI-Anwendungen, in Städten ab 20.000 Einwohnern sind es bereits über 90 Prozent.

Genutzt wird KI primär für die Erstellung von Dokumenten (67 Prozent), die Übersetzung von Texten (51 Prozent) und die Protokollierung von Sitzungen (34 Prozent). Die Erwartungen sind immens: 76 Prozent erhoffen sich messbare Effizienzsteigerungen und 47 Prozent sehen darin ein Instrument gegen den Fachkräftemangel. Der technologische Wandel überholt dabei die organisatorischen Leitplanken: Bundesweit verfügen erst 19 Prozent der Kommunen über verbindliche KI-Richtlinien.

Digitale Souveränität und regionale Unterschiede

Als größte Risiken beim KI-Einsatz benennen die Befragten die Abhängigkeit von externen Anbietern (58 Prozent), Datenschutz (57 Prozent) und Cybersicherheit (51 Prozent). Entsprechend hoch ist das Bedürfnis nach digitaler Souveränität: Für 88 Prozent ist es wichtig, dass Softwareanbieter und deren Serverstandorte in Deutschland oder der EU ansässig sind.

Die Studie offenbart zudem starke regionale Diskrepanzen: Während im Westen 57 Prozent der Kommunen KI nutzen oder testen, sind es im Osten lediglich 40 Prozent. Dort nennen zudem 77 Prozent eine fehlende Finanzierung als zentrale Herausforderung und fast ein Fünftel (19 Prozent) klagt über gesunkene Budgets.

Die generelle Akzeptanz für digitale Lösungen ist branchenweit hoch: 84 Prozent halten Software für ein geeignetes Mittel, um Arbeitsbelastungen signifikant zu reduzieren. Michael Hollauf, Gründer und CPO von Meister, ordnet die Befunde ein: „Die öffentliche Verwaltung steht vor dem nächsten großen Modernisierungsschritt“. Während Digitalisierung heute als unverzichtbare Grundlage gelte, entwickle sich KI zum entscheidenden Hebel für mehr Effizienz und besseren Bürgerservice. Es komme nun maßgeblich auf die richtigen Rahmenbedingungen an, damit diese Werkzeuge ihre volle Wirkung entfalten können.

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