Der mehrtägige Stromausfall Anfang des Jahres in Berlin infolge eines Brandanschlages beschäftigte Verwaltung und Gefahrenabwehr lange. Eine Expertenkommission legte nun einen Bericht mit Erkenntnissen und Handlungsempfehlungen vor. Neben bekannten Vorschlägen mischen sich neue Ideen.
Über vier Tage saßen mehrere tausend Menschen im Dunklen. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mussten geräumt werden. Der Stromausfall aufgrund eines mutmaßlich linksextremistischen Anschlags auf eine Kabelbrücke hielt Berlin und die Bundesrepublik in Atem. Dabei waren gerade mal drei Prozent der Bundeshauptstadt betroffen.
Diese mehrtägige Krise sollte aber als Chance verstanden werden. Davon zeigen sich die Autorinnen und Autoren – Albrecht Broemme, Prof. Dr. Heyo Kroemer, Uwe Nerger und Sigrid Evelyn Nikutta – des Berichts „Resilienz in Berlin: Über die Funktionsfähigkeit der Kritischen Infrastruktur“ überzeugt. Diese mehrtägige Lage habe Berlin an die Belastungsgrenze geführt. „Obwohl das Schadensereignis räumlich und zeitlich begrenzt war, zeigte es, wie wenig das System auf größere, länger andauernde oder hybride Lagen vorbereitet ist. Zusätzlich erwies sich die Eigenvorsorge der Bevölkerung als mangelhaft“, heißt es warnend.
Zwar sei die Leistung der Blaulicht-Einheiten, der Verwaltung, Wirtschaft und Politik von kompetenten und engagierten Akteuren geprägt, gleichwohl müsse die „Gesamtarchitektur für eine resiliente Stadt und ihre Bewährung in berlinweiten Krisenfällen weiterentwickelt werden.“ Vor allem müsse die Arbeit der vielen Krisenstäbe zwingend miteinander verzahnt werden. Positiv sei, dass die Verantwortlichen jedoch schon mit einer eigenen Auswertung begonnen und erste Maßnahmen umgesetzt hätten.
Sieben Empfehlungen zu mehr Resilienz
Die Expertenkommission hat sieben konkrete Empfehlungen vorgelegt:
- Etablierung eines Chief Resilience Officers (CRO) bei der Senatskanzlei
- Aufbau eines Lage- und Krisenzentrums
- Aufbau und Betrieb von Resilienzhubs und einheitliche Umsetzung von Katastrophenschutz-Leuchttürmen und Kiezboxen
- Etablierung eines Übungskalenders und Etablierung von Erprobungslaboren
- Nutzung des Digitalisierungspotentials (Digitaler Zwilling für die Steigerung der städtischen Resilienz)
- Erstellung eines gesamtstädtischen Resilienz- und Katastrophenschutzkonzeptes
- Etablierung einer empfängerorientierten und handlungsleitenden Notfallkommunikation
Gerade die Einführung eines Chief Resilience Officers (CRO) ist dabei eine neue Idee. Dieser soll dauerhaft eine ressort- und themenübergreifende Leitungsfunktion auf Staatssekretärsebene in der Senatskanzlei haben. Der CRO soll die strategische Schaltstelle der Berliner Resilienzpolitik in der Senatskanzlei sein. Der CRO soll aber keinesfalls ein zweiter Einsatzleiter werden. Vielmehr soll die Vorausschau und Prävention in dieser Stelle gebündelt werden. Nach den Vorstellungen der Kommission soll diese Stelle keine fachlichen Weisungsbefugnisse haben, sondern Herr über Standards, Lagebild oder Berichtspflichten sein. Bis 2029 sollten alle Akteure in der Lage sein, ihre Kernfunktionen autonom über zehn Tage aufrecht zu erhalten.



