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StartSicherheitVerdacht auf Terror

Verdacht auf Terror

Erst Brandenburg, dann Nordrhein-Westfalen und am Ende Sachsen: In allen drei Bundesländern kam es innerhalb kürzester Zeit zu Angriffen auf ein Umspannwerk und Stromtrassen. Die Polizei prüft nun einen möglichen Zusammenhang.

An einem Umspannwerk im südbrandenburgischen Turnow-Preilack sind mehrere Sprengvorrichtungen entdeckt worden. Unbekannte hatten mit den Sprengsätzen offenbar versucht, Kurzschlüsse zu erzeugen und dadurch die Stromversorgung zu unterbrechen. Über das Umspannwerk wird der im Kohlekraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom regional und überregional verteilt.

Konkret sollen die Unbekannten „leitfähiges Material“ in die Höchstspannungsleitungen eingebracht haben. Dies habe in zwei Fällen zu Kurzschlüssen geführt, erläuterte der brandenburgische Innenminister Jan Redmann (CDU) den Vorfall. „Die Tatbegehung passt nicht zu anderen Anschlägen der linksextremistischen Szene wie etwa auf Tesla“, erklärte Redmann weiter.

Wovon aber laut Redmann bereits kurz nach dem versuchten Anschlag auszugehen war: Die Täter seien schon mehrere Tage vorher vor Ort gewesen, um die Sabotageanlagen zu installieren und das Gelände auszukundschaften. „Man muss sagen, dass wir verdammtes Glück gehabt haben.“ Auch laut dem Netzbetreiber 50Hertz ist der Angriff glimpflich ausgegangen. Zu keiner Zeit beeinflusste der Vorfall die Stromversorgung im Land. Inzwischen ermittelt die Polizei Brandenburg unter anderem wegen Terrorverdachts. Auch der Verdacht der Störung öffentlicher Betriebe, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie der Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel dienen als Ermittlungsgrundlagen.

Erst kam der Blitz…

In Nordrhein-Westfalen wurde nur wenige Stunden später ein ähnlicher Vorfall bekannt. Am Umspannwerk in Bergheim-Rheidt waren nachts grelle Blitze zu sehen und laute Knallgeräusche zu hören. Anschließend mussten aufgrund eines Kurzschlusses zwei Kohlekraftwerke des Energiekonzerns RWE vom Netz genommen werden. Konkret seien gleich mehrere Blöcke der Braunkohlekraftwerke Neurath und Niederaußem von den Auswirkungen betroffen, so RWE. Zwei Blöcke können demnach erst am Wochenende wieder ans Netz gehen.
Nach Einschätzung der Polizei ist der Kurzschluss vorsätzlich herbeigeführt worden. Auch der Betreiber des Umspannwerkes, Amprion, sprach von einer Fremdeinwirkung. Eine Gefahr für die allgemeine Stromversorgung habe jedoch zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Zum dritten Tatort wurde einige Tage später Ostsachsen. Dort fand die Polizei insgesamt zwölf Sprengvorrichtungen. „Diese sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen“, informierten die Sicherheitsbehörden. Spezialistinnen und Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen konnten die „selbst hergestellten“ Sprengsätze entschärfen – bevor diese Schäden anrichten konnten. Fündig wurden die Ermittlerinnen und Ermittler im Bereich von Hochspannungstrassen südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen sowie östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife. Beide Fundorte befinden sich nahe der Grenze zu Brandenburg.

Auch dort starteten die Ermittlungen unverzüglich – und zwar wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit versuchter Störung öffentlicher Betriebe und versuchter verfassungsfeindlicher Sabotage. Ende der Woche war es in der Region zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen. Auslöser waren „behördenübergreifende Informationen“ und die Meldung eines Bürgers. Aktuell werde eine Verbindung zu anderen Fällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprüft, informierten die Polizei und die Generalstaatsanwaltschaft Dresden. „Die sächsischen Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden stehen mit den betroffenen Ländern in enger Abstimmung.“

Anschlag als „Klimaschutz“

Gleich zwei Bekennerschreiben liegen inzwischen den Behörden aus Nordrhein-Westfalen vor. Dem ersten Schreiben ist ein detaillierter Überblick über die technische Durchführung der Tat beigefügt, der deutlich macht, dass der Verfasser über exklusives Täterwissen verfügt. Die Ermittler halten die Schreiben deshalb auch für authentisch. In einem zweiten Schreiben bekennt sich der Mann zu Anschlagsversuchen in Bergheim, Dormagen und Weisweiler. Die Bekennerschreiben sollen auch an diverse Medien versendet worden sein.

Bereits einen Tag zuvor hatte die Polizei Brandenburg veröffentlicht, dass ein Schreiben vorliege. In diesem bekannte sich ein Mann mit Angabe seines vollen Namens zur Tat auf die Umspannwerke in Jänschwalde und an weiteren Standorten. Zur Motivation für die Taten führt der Verfasser an, dass die Stromversorgung aus fossilen Brennstoffen ein Verbrechen sei. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) zitierte aus dem Schreiben: „Ich greife nicht das Land, sondern die fossile Rohstoffindustrie an.“ Der CDU-Politiker betonte aber, dass noch nicht sicher sei, ob der Verfasser auch der Täter ist: „Wenn jemand seinen Namen druntersetzt, ist er nicht zwingend der Verantwortliche.“ Geprüft werde auch, ob er allein gehandelt habe und ob es Verbindungen zu dem Sabotageakt im brandenburgischen Jänschwalde gebe.

Nach dem 48-Jährigen aus NRW wird nun gefahndet. Zunächst vermutete die Polizei Köln den Tatverdächtigen im Hambacher Forst und Umgebung. Der Großeinsatz blieb jedoch ohne Erfolg. Es waren bis zu 100 Fahrzeuge der Polizei vor Ort. Die Beamten durchkämmten das dichte Unterholz des Waldes, auch die Baumhäuser standen im Fokus. Laut einem neuen Fahndungsaufruf könnte der Tatverdächtige auch mit einem Fahrrad auf der Flucht sein.

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