Mit dem Projekt Collaborative Combat Aircraft (CCA) streben die USA die Entwicklung einer unbemannten Begleitdrohne an. Seit vergangener Woche haben beide Prototypen ihre Flugfähigkeit bewiesen.
Vergangenen Freitag absolvierte Andurils YFQ-44-Drohne ihren ersten Testflug in einem nicht näher benannten kalifornischen Testzentrum. Nachdem das Konkurrenzprodukt von General Atomics, die YFQ-42A, im August seinen Erstflug absolvierte, haben damit beide Prototypen des Collaborative Combat Aircraft (CCA) ihre initiale Flugfähigkeit unter Beweis gestellt. „Dieser Meilenstein zeigt, wie Wettbewerb Innovationen vorantreibt und die Umsetzung beschleunigt“, erklärte Troy Meink, Staatssekretär der US-Luftwaffe, in einer Stellungnahme.
Mit dem CCA strebt die U.S. Air Force seit dem offiziellen Programmstart im Jahr 2022 an, eine unbemannte Begleitdrohne für die bemannten Kampfjets der US-Luftstreitkräfte zu entwickeln. Der sogenannte Loyal Wingman soll die bestehende und zukünftige Flugzeugflotte der Vereinigten Staaten unbemannt begleiten. Dafür sollen die unbemannten Luftfahrzeuge über einen Jet-Antrieb verfügen und potenziell in der Lage sein, allein oder in kleinen Gruppen zu fliegen. Um die Einsatzfähigkeit in verschiedenen Missionsprofilen zu garantieren, erwartet die US-Regierung, dass das Flugzeugmuster zum Luft-Luft-Kampf, Luft-Boden-Kampf, zur elektronischen Kriegsführung, Zielerfassung sowie Überwachung und Aufklärung befähigt ist.
Der zum Zeitpunkt des Programmbeginns verantwortliche Luftwaffenminister Frank Kendall erklärte, dass es eine „Planungsannahme“ von 1.000 CCAs gebe. Diese Zahl ergibt sich, da 500 Kampfflugzeuge jeweils von zwei CCAs begleitet werden sollen. Im April 2024 vergab die USAF die ersten Entwicklungsverträge. Begünstigt wurden zwei US-Unternehmen: General Atomics Aeronautical Systems (YFQ-42A) und Anduril Industries (YFQ-44A). Die ersten Bodentests schlossen im März dieses Jahres bei beiden Prototypen an. Die Entscheidung, welches der beiden Systeme den Zuschlag erhält und in die Produktionsphase übergeht, soll noch in diesem Jahr fallen.
In die Luft in 556 Tagen
In der Pressemitteilung gibt der Hersteller der YFQ-44, Anduril, an, in einem Zeitraum von 556 Tagen vom ersten Skizzenstrich bis zum fliegenden Prototypen fortgeschritten zu sein. Dabei lässt Anduril allerdings außer Acht, dass der Erstflug der Prototypen im CCA-Programm eigentlich bis zum Ende des Sommers abgeschlossen sein sollte. Dem Konkurrenten General Atomics gelang es, diesen Termin einzuhalten. Dafür gab Anduril an, dass ihre Lösung teilautonom statt ferngesteuert geflogen sei. Davon verspricht sich das US-Unternehmen, im weiteren Verlauf der Testungen schneller voranzukommen als die Konkurrenz. Darüber hinaus gab das Defense-Start-up an, ein neues Produktionssystem für die YFQ-44A zu erproben. Dieses Konzept ist bereits mit einem konkreten Zeitplan hinterlegt: In der ersten Hälfte des Jahres 2026 soll das System in der neuen Produktionsstätte „Arsenal-1“ in Columbus, Ohio, eingeführt werden.
Erster Schritt in eine unbemannte Zukunft
Angesichts schwindender Budgets und einer neuen strategischen Ausrichtung richtet die USAF ihren Fokus zunehmend auf unbemannte fliegende Plattformen. Die Flotte der US-Luftstreitkräfte ist in den letzten zwei Jahrzehnten aufgrund der explodierenden Kosten für die Entwicklung und Produktion neuer Flugzeuge auf etwa 5.500 Maschinen geschrumpft. Unbemannte Plattformen sollen bei geringeren Kosten trotz rückläufiger Flugzeug-Anzahl die Kampfkraft der Air Force erhalten. Dabei strebt die Entwicklung – unter dem Primat von Kosten- und Effizienzsteigerungen – in eine klare Richtung: Bemannt geflogene Hochwertplattformen sollen sukzessive unbemannten Einheiten weichen. Die Entwicklung eines autonomen Wingman ist ein erster Schritt in diese Richtung. Denn das hier praktizierte Manned-Unmanned-Teaming schafft mehr operative Flexibilität und erlaubt es Pilotinnen und Piloten, Hochrisiko-Anteile einer Mission auf unbemannte Systeme auszulagern. Von großer Bedeutung ist darüber hinaus der ökonomische Faktor des Einsatzes unbemannter Einheiten.
Unbemannte Luftfahrt spart den teuren Einsatz menschlicher Pilotinnen und Piloten. Zusätzlich sind unbemannte Luftfahrzeuge deutlich günstiger in der Anschaffung als ihre bemannten Gegenstücke. Im April prognostizierte Kendall, dass CCAs ein Drittel des Preises bemannter Flugzeuge kosten. Ein einzelnes CCA soll seiner Schätzung nach mit 25 bis 30 Millionen US-Dollar zu Buche schlagen. Ein halbes Jahr später deuten die auf den Markt strömenden Produkte darauf hin, dass der ehemalige Minister mit seiner Einschätzung richtig liegt: Das X-BAT, ein autonomer Senkrechtstarter des US-Start-ups Shield AI, soll laut Herstellerangaben nach Abschluss der Entwicklung für einen Stückpreis von etwa 27 Millionen Dollar auf den US-Markt kommen.
Europa zieht nach
Mit der Idee, bemannte und unbemannte Plattformen zu kombinieren, stehen die USA nicht allein da. Das Manned-Unmanned-Teaming ist eines der zentralen Identifikationsmerkmale der derzeit in Entwicklung befindlichen sechsten Generation von Kampfflugzeugen. Folgerichtig streben auch die europäischen Kampfjet-Programme an, diese Idee zu realisieren. Deutschland arbeitet derzeit gemeinsam mit Frankreich und Spanien am krisengeplagten Future Combat Air System (FCAS). Dieses integriert einen zentralen, bemannten New Generation Fighter (NGF), unbemannte Fähigkeitsträger (Remote Carrier) sowie ein Informations- und Missionsmanagementsystem (Air Combat Cloud). Während der bemannte Anteil des FCAS bei Dassault Aviation – dem französischen Teilhaber des Projekts – entsteht, obliegt die Verantwortung für den Remote Carrier vornehmlich dem Airbus-Konzern.





