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StartSicherheitWeniger Straftaten, neue Herausforderungen

Weniger Straftaten, neue Herausforderungen

Es ist das jährliche Barometer für die Sicherheitslage in Deutschland und wird stets mit Spannung erwartet: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 liegt nun vor. Während die Bilanz insgesamt einen leichten Rückgang der Straftaten ausweist, rückt ein spezifischer Trend in den Fokus der Sicherheitsbehörden: Die Zahl straffälliger Kinder ist erneut gestiegen.

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei in Deutschland 5,5 Millionen Straftaten – ein Rückgang um 5,6 Prozent gegenüber 2024. Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) ist dies der erste Rückgang seit 2022. Auch unter Berücksichtigung der Effekte der Teillegalisierung von Cannabis bleibe ein Minus von 4,7 Prozent bestehen, so die Behörde.

Eine weitere Abnahme verzeichneten die Sicherheitsbehörden im Bereich der Gewaltverbrechen. Dort sind die Zahlen seit 2021 erstmals rückläufig. Konkret sank die Anzahl im Vergleich zu 2024 um 2,3 Prozent. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mahnte hierzu: „Der Rückgang der Gewaltkriminalität ist ein Anfang, aber kein Grund zur Entwarnung“. Entscheidend sei, dass sich Menschen im Alltag sicher fühlten.
Am häufigsten wurden Menschen laut Statistik im öffentlichen Raum Opfer von Gewaltverbrechen. Mit 22,7 Prozent ereigneten sich die Taten am zweithäufigsten innerhalb einer Wohnung. Von einer Überrepräsentation sprach das BKA mit Blick auf den Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger. Laut Statistik liegt dieser bei 42,9 Prozent.

Bei Tötungsdelikten und einigen weiteren besonders schweren Straftaten gab es teils deutliche Anstiege. So stieg die Zahl der Straftaten im Bereich der sogenannten Neuen psychoaktiven Substanzen um 25,5 Prozent. Rauschgiftkriminalität bleibt damit nach Einschätzung des BKA ein drängendes Problem in Deutschland. Einen weiteren deutlichen Zuwachs gab es bei Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung jugendpornografischer Inhalte – um 19,9 Prozent.

Sexualstraftaten anhaltend hoch

Die Zahlen der Sexualdelikte insgesamt bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau. Die Anzahl der Vergewaltigungen stieg nach Angaben des BKA seit 2018 um 71,7 Prozent. Im Vergleich zu 2024 nahm sie im Jahr 2025 um 8,5 Prozent zu. Die Strafverfolgungsbehörde betonte, dass dieser Anstieg auch auf eine zunehmende Anzeigebereitschaft zurückzuführen sei. Zudem hätten Gesetzesänderungen zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung im Jahr 2016 sowie zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder im Jahr 2021 die Statistik beeinflusst.

Der Innensenator Hamburgs und aktuelle Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Andy Grote (SPD), betonte, dass die rückläufige Entwicklung der gesamten Straftaten zwar begrüßenswert sei. Dennoch müsse festgestellt werden, dass „unsere Gesellschaft gerade für Frauen nicht so sicher ist, wie sie es sein sollte“. Grote rief dazu auf, Betroffene von Sexualstraftaten und sexualisierter digitaler Gewalt künftig besser zu schützen. „Als Innenministerkonferenz wollen wir im Hamburger Vorsitzjahr spürbare Verbesserungen erreichen, damit Frauen ihr Recht und Täter ihre Strafe bekommen“, machte der SPD-Politiker deutlich.

Einfluss sozialer Medien

Wie bereits im Vorjahr stieg die Zahl der gewalttätigen Kinder weiter an – wenn auch deutlich langsamer. Während es 2024 noch einen Anstieg von 11,3 Prozent gab, nahm die Zahl 2025 nur um 3,3 Prozent zu.
Auf der Suche nach Erklärungen für diese Entwicklung verweist das BKA auf Studien, die psychische Belastungen durch „zunehmende Zukunftsängste angesichts multipler Krisen“ nennen. Noch nicht ausreichend erforscht sei hingegen ein möglicher Zusammenhang zwischen der Nutzung bestimmter Social-Media-Angebote durch Kinder und Jugendliche und der Wahrscheinlichkeit straffälligen Verhaltens.

Zeitgleich mit der PKS veröffentlichten das BKA und das Bundesinnenministerium (BMI) zudem eine umfangreiche Dunkelfeldstudie zur Kriminalitätsbelastung für das Jahr 2025. Diese zeigt, dass der Anteil der Menschen, die Opfer von Cyber-Kriminalität (18 Prozent), Diebstahl (12,7 Prozent) und Betrug (12,6 Prozent) werden, vergleichsweise hoch ist.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der für die Wohnbevölkerung ab 16 Jahren repräsentativen Studie wurden zu ihren Kriminalitätserfahrungen im Jahr 2023 befragt. Der BKA-Präsident Holger Münch erklärte: „Durch die nun zusätzlich zu den Hellfelddaten der PKS veröffentlichten Ergebnisse der Dunkelfeldstudie ‚Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024‘ haben wir insgesamt ein umfassenderes Bild und klare Hinweise zur Kriminalitätsentwicklung in Deutschland und können unsere Bekämpfungsstrategien weiter anpassen“

Eine genauere Erläuterung und Interpretation der PKS werden Sie in der kommenden Ausgabe des Behörden Spiegel finden. Außerdem werden die durch die Zahlen aufgeworfenen Fragen auf dem diesjährigen Europäischen Polizeikongress am 6. und 7. Mai diskutiert.

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