Von einer Beschaffungsorganisation für Bundesgrenzschutz zur Beschaffungsstelle für den Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums (BMI). Diese Entwicklung legt das Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern (BeschA) zurück. Nun feierte das Amt seinen 75-jährigen Geburtstag.
Dem BeschA kommt heute eine zentrale Schlüsselrolle für die Beschaffung der Inneren Sicherheit und des Bevölkerungsschutzes in Deutschland zu. Gerade Fragen der Resilienz, der Beschleunigung von Beschaffungsprozessen sowie der strategischen Weiterentwicklung des öffentlichen Einkaufs in Zeiten wachsender sicherheitspolitischer Anforderungen stehen im aktuellen Fokus der Behörde.
Im Jahr 2025 habe das Amt bereits rund neun Milliarden Euro für Bedarfsträger umgesetzt. Mit rund 350 Beschäftigten an den Standorten Bonn und Erfurt stelle das BeschA die dauerhafte Versorgung zahlreicher Behörden und Organisationen sicher. Zur Stärkung der Krisenfestigkeit sei ein permanentes Krisenreaktionsteam eingerichtet worden, das auch in Ausnahmelagen eine kontinuierliche Beschaffung gewährleisten solle, erklärte Dr. Alexander Eisvogel, Präsident des BeschA.
Eisvogel betonte zudem die Bedeutung einer strategischen Beschaffung mit proaktivem Bedarfsmanagement, bei dem Bedarfsträger und Beschaffer frühzeitig zusammengebracht würden. Durch Bündelungen und Skaleneffekte könnten erhebliche Einsparungen erzielt werden. Als Beispiel nannte er einen Rahmenvertrag mit NetApp im Umfang von rund einer Milliarde Euro, über den Bundesbehörden Hardware mit Preisnachlässen von bis zu 55 Prozent beschaffen könnten.
Zugleich machte Eisvogel deutlich, wie essenziell die Arbeit des BeschA für die Einsatzfähigkeit staatlicher Akteure sei. Mit Blick auf das Technische Hilfswerk (THW) erklärte er, ohne das Beschaffungsamt gäbe es „keinen Helm, keine Stiefel, keinen Einsatzanzug“ – und damit keine angemessene Ausstattung der Einsatzkräfte. Trotz einer „enormen Normenflut“ gelinge es dem Amt, handlungsfähig zu bleiben. Das BeschA sei ein „Beschaffungschampion“, dessen Leistungen oftmals unsichtbar blieben für jene, die nur die Oberfläche betrachteten.
Zentrale Rolle im Pakt für den Bevölkerungsschutz
Staatssekretär im Bundesministerium des Innern Sebastian Wüste betonte die Rolle des BeschA beim angekündigten „Pakt für den Bevölkerungsschutz“ (wir berichteten), der sich entlang der drei Dimensionen Auftrag, Ausbildung und Ausstattung orientiere. Die sicherheitspolitische Zeitenwende sei ohne eine umfassende Beschaffungsoffensive nicht möglich. Ziel müsse es nun sein, Verwaltungsaufwände zu reduzieren, Verfahren deutlich zu beschleunigen und das Beschaffungswesen stärker zu digitalisieren.
Wüste sprach in diesem Zusammenhang von der Vision eines „Amazon des Bundes“, das schnelle und effiziente Beschaffungswege ermögliche und zugleich Einsparziele erreiche.
Erfolg nicht immer sichtbar
Dabei hob er insbesondere die Arbeit des Beschaffungsamtes hervor. Innovation entstehe dort, „wenn Kooperation, Kreativität und Kompetenz zusammenkommen“. Das BeschA zeichne sich durch Zuverlässigkeit und Lernbereitschaft aus und sei heute „der zivile Sicherheitsbeschaffer“ in Deutschland. Gleichzeitig verwies Wüste auf die häufig geringe Sichtbarkeit erfolgreicher Beschaffung: „Wenn alles richtig läuft, können diejenigen, die die Dinge nutzen, glänzen. Wenn etwas schiefläuft, dann war es die Beschaffung.“ Für die kommenden Jahre kündigte er eine weitere Steigerung der Beschaffungsvolumina an, unter anderem durch stärkere Bündelung und zusätzliche Beschaffungsbeschleunigung.
Dies zeigt, dass die Rolle des BeschA sich im steten Wandel befindet. Während in den vergangenen Jahren insbesondere Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Fokus gestanden hätten, liege der Schwerpunkt aktuell auf einer resilienten Neuaufstellung mit schnellen und effizienten Beschaffungswegen im Sicherheitskontext.
Skeptisch äußert man sich von Seiten des Personalrats hinsichtlich der Frage, ob die Zentralstelle für IT-Beschaffung (ZIB) beim Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS), welche die Beschaffungen im Bereich IT übernimmt, künftig erfolgreich weiterführen könne (Ein Einschätzung dazu lesen Sie hier).






