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Neue Wege in die Leitstelle

Öffentliche Dienst kämpft um geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Feuerwehr und Rettungsdienst sind dabei keine Ausnahme. Ein neuer Ausbildungsweg soll zu mehr Leitstellendisponentinnen und -disponenten führen. Personalmangel war aber nicht der einzige Grund für die Schaffung des neuen Zugangswegs.

Die Arbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst ist weit mehr, als die Bürgerinnen und Bürger sehen. Die Gefahrenbekämpfung beginnt nicht erst an der Einsatzstelle, sondern schon beim Absetzen des Notrufes. Ausgebildete Disponenten nehmen den Notruf entgegen, sammeln die Informationen und schicken die Kolleginnen und Kollegen mit den wichtigsten Einsatzdetails auf den Weg. Doch dafür braucht es geeignetes Personal. Seine Gewinnung ist nicht immer einfach.

Die Feuerwehr München will künftig gezielt Interessentinnen und Interessenten für die Ausbildung zur Disponentin bzw. zum Disponenten für die Integrierte Leitstelle ansprechen, die bisher nicht die nötigen Zugangsvoraussetzungen erfüllen konnten.

Ab Herbst 2026 soll zusätzlich zur zweijährigen Ausbildung zum Betriebsassistenten mit anschließendem feuerwehrtechnischem Vorbereitungsdienst auch eine dreijährige Variante der Ausbildung zum Disponenten ohne Übernahme in ein Beamtenverhältnis starten. Diese Bewerber müssen nicht mehr zwingend EU-Bürgerinnen oder -Bürger sein. Statt dem Sporttest für den Einsatzdienst müssen sie ein spezifisches Assessment-Center absolvieren. „Durch die Öffnung des neuen Zugangswegs steigern wir nicht nur die Attraktivität für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber, sondern bieten zugleich mehr Menschen die Möglichkeit, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten gewinnbringend bei der Branddirektion einzusetzen“, erklärte Kreisverwaltungsreferentin Dr. Hanna Sammüller. Wolfgang Schäuble, Leiter der Branddirektion München, ergänzte: „Viele Bewerberinnen scheitern bislang am anspruchsvollen Sporttest der Feuerwehr. Während dieser für den Einsatzdienst unverzichtbar ist, spielt er für die Tätigkeit in der Leitstelle nicht diese entscheidende Rolle.“ Dort stünden kognitive Fähigkeiten im Vordergrund.

Steigende Anforderungen

„Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass es immer wieder zu personellen Engpässen kommt. Ein wesentlicher Grund hierfür ist der angespannte Arbeitsmarkt, auf dem die Leitstellen in direkter Konkurrenz zu den Einsatzorganisationen stehen“, so ein Sprecher der Feuerwehr München. Viele Leitstellen stünden daher vor der Herausforderung, ausreichend geeignetes Personal zu finden. Hinzu komme, dass die Qualifizierung oft lange Zeiträume in Anspruch nehme. Zudem verzeichneten einige Leitstellen kurze Verweildauern des Personals („Stehzeiten“), da die psychische Belastung oft unterschätzt werde oder gesundheitliche Gründe ein frühes Ausscheiden erzwängen.

„Auch in Bayern ist die Gewinnung von ausreichend Personal schwierig. Die Einführung einer eigenständigen Berufsausbildung in Bayern ist daher eine direkte Antwort auf diese Entwicklung: Sie ermöglicht es, potenzielle Mitarbeitende frühzeitiger und gezielter auf dem Arbeitsmarkt anzusprechen“, so der Sprecher. Der Fachkräftemangel sei jedoch nicht der einzige Grund für die Schaffung des Berufsbildes Disponent gewesen. „Das Aufgabenfeld in den Leitstellen spezialisiert sich zunehmend. Es ist eine deutliche Professionalisierung erkennbar, die auch von der Politik, beispielsweise im Zuge der Notfallreform, eingefordert wird“, so die Feuerwehr München.

Chancen im Wettbewerb

Marc Gistrichovsky, Vorsitzender des Fachverbands Leitstellen, kann die Personalsorgen bestätigen: „Integrierte Leitstellen stehen im Wettbewerb um geeignete Bewerbende. Da unterscheiden wir uns nicht von anderen Branchen. Daher müssen auch wir uns intensiv um den Nachwuchs kümmern. Mit den erweiterten Möglichkeiten der Rekrutierung werden neue Wege eröffnet, um genügend Personal zu gewinnen.“ Der neue Zugangsweg biete diese Möglichkeit. Durch den neuen Ausbildungsweg könne zum Beispiel auch die Werbung dafür direkt in den Schulen platziert werden.

Zudem kann die Ausbildung so den höheren Anforderungen in Leitstellen gerecht werden. Neben den steigenden Einsatzzahlen im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr übernehmen Integrierte Leitstellen zunehmend weitere Aufgaben im Bereich der Lagebewertung und -erfassung sowie bei Themen des Bevölkerungsschutzes (z. B. Warnung der Bevölkerung).

Daraus resultierend erhöhen sich die Anforderungen an den Beruf, aber auch der reine Personalmehrbedarf. Dieser ist nicht mehr über die klassischen Zugangswege aus dem Rettungsdienst oder der Feuerwehr zu erreichen.

Gistrichovsky hofft, dass die neue Ausbildung auch in anderen Bundesländern in den nächsten Jahren umgesetzt wird. Natürlich bleibe auch der Quereinstieg über einer Weiterbildung zum Leitstellendisponierenden das weitere große Standbein der Personalrekrutierung: „Hier gehen viele Bundesländer mittlerweile den Weg einer modularen Ausbildung, die eine individuelle Anpassung des Umfangs der Weiterbildung je nach den Einstiegsvorkenntnissen ermöglicht. Zudem wird auch anderen Gesundheitsberufen wie Pflegefachkräften, Medizinischen Fachangestellte oder Hebammen die Möglichkeit eröffnet, sich weiterzubilden“, so der Fachverbandsvorsitzende.

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