Das britische Verteidigungsministerium investiert 400 Millionen Pfund (ca. 475 Millionen Euro) in unbemannte Aufklärungsfähigkeiten. Begünstigter ist das britisch-portugiesische Rüstungsunternehmen Tekever mit der Drohne AR5. Der erste Abruf sieht die Beschaffung von sechs Systemen vor. Sie sollen noch in diesem Jahr den Dienst antreten. Weitere 26 werden bis zum Jahr 2029 erwartet.
Die Entscheidung, das britisch-portugiesische UAV zu beschaffen, ist auch von den Entwicklungen in der Ukraine beeinflusst. Denn dort kommt die AR5 bereits bei den ukrainischen Streitkräften zum Einsatz. Großbritanniens Verteidigungsminister Wes Streeting wurde nicht müde, das zu betonen. „Die UK-basierte Tekever AR5 hat sich in der Ukraine bewährt und wurde entwickelt, um britische Soldaten weltweit zu schützen“, so der Verteidigungsminister. Die Beschaffung würde dem eigenen Personal einen Vorsprung gegenüber neuen Bedrohungen verschaffen.
Neben den Angehörigen der britischen Streitkräfte soll allerdings auch die allgemeine Bevölkerung im britischen Swindon nach Plänen der Downing Street von den Investitionen profitieren. Denn in der Grafschaft Wiltshire wird im Zuge der Vertragsunterschrift eine neue Produktionsstätte für das unbemannte Luftfahrzeug entstehen.
Mit einer Nutzlastkapazität von bis zu 50 Kilogramm kann die AR5 mit elektro-optischen und Infrarot-Sensoren, dem hauseigenen maritimien Radarsystem, Signalerfassungstechnik (SIGINT) sowie Systemen für Such- und Rettungseinsätze (SAR) ausgerüstet werden. Dank der Flugdauer von 20 Stunden verspricht Hersteller Tekever eine unterbrechungsfreie Lagebilderstellung in Echtzeit. Die Reisegeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Ein Limit bei den Kommunikationsverbindungen nennt der Hersteller nicht.
Trauriges Ende für den Watchkeeper
Die Vergabe an Tekever markiert gleichzeitig das Ende des viel gescholtenen Watchkeeper-Programms. 2014 stellten die britischen Streitkräfte unter diesem Namen eine unbemannte Aufklärungsdrohne – zunächst für den Trainingsbetrieb – vor. Die Entwicklung reicht allerdings bis in die frühen 2000er-Jahre zurück. Dafür zeichnete ein Industriekonsortium, bestehend aus Elbit Systems UK und Thales UK, verantwortlich. Dabei diente das israelische System Hermes 450 als Vorbild. Die Probleme in der langwierigen Entwicklungsphase setzten sich im operativen Betrieb unmittelbar fort. Jede siebte Drohne ging bei Abstürzen verloren. So verzeichneten die britischen Streitkräfte Vorfälle in Wales, Zypern und New Mexico. Der Grund: schlechte Wetterbedingungen. Dabei wurde das Luftfahrzeug als Allwettersystem vermarktet. Hinzu kam, dass die während des Afghanistan-Krieges konzipierte Drohne in Zeiten von kostengünstigen First-Person-View-(FPV)-Systemen zunehmend anachronistisch erschien. Eine einzelne Watchkeeper schlägt mit mehr als fünf Millionen britischen Pfund zu Buche. Aus diesem Grund entschied sich die Downing Street im Jahr 2024, die Watchkeeper Mk 1 außer Dienst zu stellen. Als Ausmusterungsdatum ist der März 2027 festgelegt. Insgesamt hat die Entwicklung die britischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler etwa 1,35 bis 1,4 Milliarden Pfund gekostet.
Eine Nachfolge sucht die Regierung in London seit 2024 im Rahmen des Projekts CORVUS. Die Fehler aus dem Watchkeeper-Programm sollten sich dabei nicht wiederholen, betonte die britische Regierung. So wurde unter anderem die Anzahl der Einzelforderungen im Vergleich massiv reduziert.




