Das ukrainische Verteidigungsministerium gibt westlichen und heimischen Rüstungsunternehmen die Möglichkeit, Informationen über erbeutete russische Waffensysteme zu erhalten. Dafür setzt das angegriffene Land eine Online-Plattform namens „TrophyLab“ auf. Diese formalisiert den bisher informellen Austausch technischer Aufklärung aus erbeutetem russischen Wehrmaterial mit befreundeten Regierungen, Rüstungsunternehmen und Forschungseinrichtungen.
Um Zugang zu erhalten, müssen Interessenten allerdings eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. Denn wer auf die Daten zugreifen möchte, muss sich zuvor durch das Verteidigungsministerium akkreditieren lassen.
Wenn Kiew allerdings den Zugriff erteilt, erhalten die Interessierten Einblicke in 115 verifizierte Exponate, die sich über 79 Kategorien erstrecken. Konkret sind technische Dokumentationen, detaillierte Blaupausen, Komponentenanalysen, Schaltpläne sowie die Erkenntnisse ukrainischer Geheimdienste auf der Plattform hinterlegt. Zum Start umfasst die Datenbank bereits mehr als 225 Studien und technische Bewertungen. Das Spektrum der gelisteten Systeme reicht von gepanzerten Fahrzeugen, darunter der Kampfpanzer T-90M, bis hin zu strategischen Waffen wie der Hyperschallrakete Ch-47M2 Kinschal. Hinzu kommt ein umfassender Katalog unbemannter Luftsysteme (UAV). Darüber hinaus gibt Kiew Projektbeteiligten die Möglichkeit, Systeme für einen begrenzten Zeitraum zu überstellen und eigenständige, nicht destruktive Tests durchzuführen. Davon profitieren insbesondere Unternehmen, die im Bereich der elektronischen Gefechtsführung (EW), der Drohnenabwehr, der Sensorik, der autonomen Plattformen und der Kommunikationssicherheit arbeiten.
„Jede Rakete, jede Drohne und jedes Fahrzeug, das auf dem Schlachtfeld beschlagnahmt wird, ist ab jetzt eine Wissensquelle für die freie Welt“, erklärte Mykhailo Fedorov, Verteidigungsminister und Minister für digitale Transformation der Ukraine. Das Wissen über die Technologien Russlands dürfe nicht verschlossen bleiben. Es müsse denjenigen dienen, die moderne Abwehrsysteme entwickeln.
Wissen verbreiten
Die jüngste Initiative baut auf bestehenden Maßnahmen der ukrainischen Regierung auf, im Gefecht gewonnenes Wissen der eigenen Rüstungsindustrie und der befreundeter Staaten zur Verfügung zu stellen. So erlaubt die staatliche Plattform „Brave1 Dataroom“ mittlerweile etwa 100 Unternehmen, Gefechtsdaten aus dem russisch-ukrainischen Krieg für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) zu nutzen.



