Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor dem Deutschen Bundestag angekündigt, US-Marschflugkörper des Typs Tomahawk zu beschaffen. Bereits beim NATO-Gipfel 2024 stellten die USA, damals noch unter dem demokratischen Präsidenten Joe Biden, die Stationierung des Mittelstreckenwaffensystems in der Bundesrepublik in Aussicht.
Anders als frühere transatlantische Initiativen wird sowohl die Stationierung als auch der Betrieb des Waffensystems in nationaler Eigenregie durch die Bundeswehr erfolgen.
Laut Aussage des deutschen Kanzlers vereinbarte die Bundesregierung die Rüstungsbeschaffung aus den USA am Rande des NATO-Gipfels in Ankara. Medienberichte sprechen von einer Absichtserklärung (Letter of Intent) zwischen dem deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth. Washington habe zugesagt, die formelle Exportgenehmigung für die Marschflugkörper sowie die dazugehörigen bodengestützten „Typhon“-Startrampen im kommenden August zu erteilen.
Unklar bleibt hingegen, wie viele Systeme in Deutschland zulaufen werden und welche Summen dafür fließen sollen. Die Informationen obliegen der Geheimhaltung. Fest steht jedoch, dass im Gegensatz zu den Planungen der vormaligen Biden-Administration kein US-Personal nach Deutschland entsendet wird. Stattdessen übernimmt die Bundeswehr Kauf, Wartung und Betrieb der Systeme vollumfänglich in eigener Verantwortung. Dass Deutschland das Waffensystem aus eigener Tasche finanziert und selbstständig betreibt liegt darin begründet, dass der deutsche Bundeskanzler US-Präsident Donald Trump mit seiner Kritik am Iran-Krieg erzürnte. Trump sagte daraufhin die Stationierung der Tomahawk auf dem Bundesgebiet ab.
Übergangslösung aus den USA
Mit der Beschaffung der Tomahawk reagiert die Bundesregierung auf den russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022. Nach der Invasion formulierte Berlin den Bedarf, Mittelstreckenkapazitäten in Deutschland aufzubauen. Eine europäische Alternative zu den US-Systemen existiert derzeit nicht. Deshalb soll der Kauf der Tomahawk als Brückenlösung dienen. Mittelfristig setzen die europäischen Alliierten auf das 2024 initiierte Projekt European Long-Range Strike Approach (ELSA). Ziel dieser Kooperation ist, einen komplett eigenständigen europäischen Marschflugkörper mit über 2.000 Kilometern Reichweite zu entwickeln. Dementsprechend unterzeichnete Pistorius in Ankara eine Absichtserklärung für ELSA-Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Euro. Die Bundesregierung wird die Hälfte dieser Summe beisteuern. „Wir schließen eine entscheidende strategische Lücke in unserer Verteidigung und arbeiten gleichzeitig daran, eigene europäische Systeme zu entwickeln und diese in Europa zu stationieren“, so Merz.




