Österreich und die Schweiz verbindet viel: die Deutsche Sprache, Alpenlage, Neutralität in Verteidigungsfragen. Jetzt planen beide Staaten, die tradierte Zusammenarbeit in Fragen der äußeren Sicherheit zu vertiefen. Zukünftig wollen beide Länder beim Rüstungseinkauf kooperieren. Ein Besuch der österreichischen Bundesministerin für Landesverteidigung, Klaudia Tanner, in der Schweiz gab dafür den Rahmen. Bei den Eidgenossen traf sie Bundesrat Martin Pfister, Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).
Beim Staatsbesuch stand auch ein gemeinsamer Besuch bei Rheinmetall Air Defence auf der Agenda. Die Schweiz beabsichtigt, für den Aufbau ihrer bodengestützten Luftverteidigung kleiner Reichweite ein System von Rheinmetall Air Defence zu beschaffen. Auch Österreich setzt bei der Modernisierung seiner Luftverteidigung auf Systeme des Unternehmens.
Erfolg durch Kooperation
In der schweizerischen Metropole Zürich verkündete Pfister bei einer gemeinsamen Presseerklärung mit seiner österreichischen Amtskollegin, beim Einkauf von Rüstungsgütern vermehrt mit dem Nachbarn Österreich zusammenzuarbeiten. Das soll insbesondere bei der Luftabwehr erfolgen. Dem pflichtete Tanner bei. „Wenn man sich zusammentut, wird es günstiger und effizienter“, sagte sie. Allein im Jahr 2025 verzeichneten die beiden Alpenstaaten über 100 gemeinsame Kooperationsprojekte.
Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen, die über die gemeinsame Beschaffung hinausgeht, erteilten beide allerdings eine Absage. Eine Zusammenlegung der Luftwaffe sei verfassungsrechtlich nicht möglich, zeigten sich Tanner und Pfister einig. Lediglich Luftlagebilder sollen zwischen den beiden Luftstreitkräften ausgetauscht werden.
Führungswechsel
Über Jahrzehnte galt die Gewissheit, dass die Schweiz zu den europäischen Spitzenreitern bei den Investitionen in die Landesverteidigung zählt. Gegenwärtig stehen die Eidgenossen bei der Aufrüstung ihrem österreichischen Nachbarn zumindest beim Tempo allerdings hintan. Der Besuch des Rheinmetall-Werks ist dafür symbolträchtig. Bern plant den Kauf von acht Feuereinheiten des Typs Skynex mit insgesamt 32 Systemen für rund 800 Millionen Franken. Sie sollen zum Schutz der Kritischen Infrastruktur der Schweiz beitragen. Österreich wiederum beschafft die gepanzerte, mobile Variante dieses Systems: den Skyranger.
Dabei bewegt sich Wien allerdings auf einer völlig anderen Zeitlinie. Die österreichische Regierung beauftragte im Jahr 2022 als erster europäischer Staat 36 mobile Luftabwehrsysteme des Typs „Skyranger“ für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Die ersten Systeme sollen noch in diesem Jahr zulaufen. In der Schweiz hingegen hat bisher lediglich der Ständerat dem Geschäft zugestimmt. Die entscheidende Debatte im Nationalrat ist auf den Herbst terminiert. Sollte das Parlament den Daumen heben, kann Rheinmetall nach eigener Aussage innerhalb von 18 Monaten liefern.
Mit größeren Budgets lässt sich die höhere Geschwindigkeit bei der Beschaffung von Fähigkeiten im Nächstbereich Wiens gegenüber Bern nicht erklären. Zwar stellt die österreichische Regierung in diesem Jahr insgesamt 34 Milliarden Franken für die Modernisierung der Streitkräfte bis 2032 bereit, an den Investitionsrahmen der Schweiz kommt Wien mit dieser Summe allerdings nicht heran. Die Eidgenossen allokieren bis 2039 über 70 Milliarden Franken in Rüstungsvorhaben, die Bevorratung und Immobilien. Darüber hinaus verfügt die Schweiz über mehr Soldatinnen und Soldaten und übertrumpft den österreichischen Nachbarn auch bei der Flottengröße von Kampfpanzern und Flugzeugen.




