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StartStaat & RathausÜberlastung in Kitas und Jugendämtern

Überlastung in Kitas und Jugendämtern

Personallücken, Überforderung, ein hohes Arbeitspensum: Eine aktuelle Erhebung der Gewerkschaft Verdi legt die Schwachstellen im Bereich der sozialen Arbeit offen. Das Resümee: eine bessere Personalausstattung und eine verbindliche Personalbemessung seien dringend nötig.

Die Qualität der Arbeit leidet immer mehr unter der Belastung der Beschäftigten. Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Realitäts-Check Soziale Arbeit“, die die Gewerkschaft Verdi vor Kurzem veröffentlichte. Befragt wurden darin 373 Teams aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern, darunter Kindertagesstätten und Jugendämter. 79 Prozent von ihnen berichten von einer deutlich gestiegenen Arbeitsmenge. Fast ebenso viele Teams gaben an, oft oder sehr häufig die persönliche Belastungsgrenze zu erreichen und oft oder sehr oft Abstriche an der Qualität der eigenen Arbeit machen zu müssen. Daneben prägen Zukunftsängste den Arbeitsbereich: 79 Prozent der Teams äußerten die Sorge, dass sie ihren Beruf nicht bis zum Renteneintrittsalter ausüben können. 72 Prozent fürchten, dass ihre Rente oder Altersversorgung später nicht mehr zum Leben reicht.

Dauerhafte Unterbesetzung

„Die Ergebnisse sind ein Alarmsignal“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. Die Leidtragenden seien Menschen, die Hilfe und Unterstützung brauchen. „Es belastet zunehmend aber auch die Beschäftigten in den Einrichtungen, denn sie wollen helfen, können dies aber aufgrund der mangelnden Bedingungen oft nicht mehr oder nur unzureichend.“ Eine hohe Fluktuation, Krankheitsausfälle, Personalübergänge und schlechte Personalausstattung würden dauerhaft zu einer Unterbesetzung führen, so Behle weiter. Dies führe wiederum zu einer hohen Belastung der Beschäftigten, was weitere Erkrankungen und erneute Fluktuation nach sich ziehe.

Durch die konstant hohe Arbeitsbelastung in Jugendämtern und Kindertagesstätten sei Prävention kaum noch möglich, stattdessen werde vor allem auf Krisensituation reagiert, ergänzte Behle. Mit Blick auf die Ergebnisse der Pisa-Studie und die von der Bundesregierung geplanten Sozialreformen sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende: „Bildungserfolg hängt von der sozialen Herkunft ab und der geplante Abbau des Sozialstaats wird diese Entwicklung weiter verschärfen.“ Eigentlich müsse aber gelten: „Je komplexer die Lage ist, umso stärker muss das soziale Netz sein.“ Auch mit der Abschaffung der abschlagsfreien Rente ab 63 steuerten viele Beschäftigte auf eine ungewisse Zukunft zu.

Die Gewerkschaft fordert eine verbindliche Personalbemessung sowie eine entsprechende Personalausstattung. Durch die sinkende Zahl an Kindern bestehe aktuell die „historische Gelegenheit“ für eine bessere Betreuung, erklärte der Mannheimer Sozialwissenschaftler und Co-Autor der Studie, Yalçın Kutlu. So seien beispielsweise kleinere Gruppen in Kindertagesstätten möglich. Doch stattdessen werde in Zeiten des Fachkräftemangels über Personalabbau gesprochen, das sei widersprüchlich.

Ungewisse Zukunft für Beschäftigte

Die Ergebnisse der Befragung zeigten laut Behle auch, dass die zu betreuenden Fälle immer komplexer würden. Dies habe auch mit der gesellschaftlichen Situation zu tun, die für viele geprägt sei durch Armut, Arbeitslosigkeit, Flucht und Krieg. Behle: „In dieser Situation, die sich durch einen Abbau des Sozialstaats weiter verschärfen würde, ist unsere Forderung klar: Wir brauchen gut ausgebildetes Personal – der Staat darf nicht an der Qualifikation sparen.“ 

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