(BS) Die anhaltende Hitzewelle von bis zu 36 Grad und der ausbleibende Regen hinterlassen in Baden-Württemberg gravierende Spuren. Von versiegenden Trinkwasserquellen im Schwarzwald über Notverordnungen für die Landwirtschaft bis hin zu einer drohenden Zweiteilung des Rheins – die extreme Trockenheit erfordert aktuell landesweites Krisenmanagement.
Was jahrhundertelang als selbstverständlich galt, gerät im Schwarzwald derzeit an seine Grenzen: Immer mehr lokale Trinkwasserquellen versiegen. Der Seebach zwischen Feldberg und Titisee ist bereits vollständig ausgetrocknet, erste abgelegene Höfe und Gemeinden in der Region spüren den Wassermangel akut.
Der südbadische Netzbetreiber Badenova Netze, zuständig für rund 700.000 Menschen, bereitet sich auf drastische Maßnahmen vor: Fällt das Wasser aus den Hähnen aus, sollen spezielle Lebensmittel-Sattelschlepper mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Litern das Trinkwasser aus dem Freiburger Netz in die betroffenen Gebiete transportieren. Mehrere Gemeinden, darunter Bollschweil im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, erarbeiten bereits konkrete Krisenpläne für dieses Szenario.
Auch in anderen Teilen des Landes wächst der Druck: Im Kreis Ravensburg musste der Wasserversorgungsverband Schussen-Rotachtal die Grundwasserförderung bereits erheblich drosseln. Die Bürgerinnen und Bürger sind dringend aufgerufen, im Alltag sparsamer mit Wasser umzugehen, um drohende Einschränkungen zu vermeiden.
Katastrophenfall für Ökobetriebe und akute Waldbrandgefahr
Die massiven Ernteausfälle bei Bio-Rau- und Feldfutter haben das Land Baden-Württemberg dazu veranlasst, für landwirtschaftliche Ökobetriebe den Katastrophenfall im Sinne des europäischen Ökorechts auszurufen. Um das Überleben der Tiere zu sichern, dürfen betroffene Höfe nach behördlicher Genehmigung vorübergehend auf konventionell erzeugtes Futter zurückgreifen.
Wie angespannt die Lage auf den Feldern und in den Wäldern ist, zeigte sich am Wochenende im Main-Tauber-Kreis: In Boxberg-Oberschüpf konnte die Feuerwehr einen größeren Waldbrand nur durch ein massives Aufgebot und die tatkräftige Unterstützung lokaler Landwirte verhindern, die mit ihren Güllefahrzeugen dringend benötigtes Löschwasser an den Einsatzort transportierten.
Binnenschifffahrt: Niedrigwasser teilt den Rhein
Auch die Wirtschaft leidet massiv unter der Dürre. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) warnt vor einer historischen Zäsur: Am kritischen Pegel Kaub wird in Kürze ein nur noch einstelliger Wasserstand prognostiziert. Laut BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen bedeutet dies das faktische Ende des Güter- und Kreuzfahrttourismus in dieser Region. Der Rhein werde verkehrstechnisch zweigeteilt: Während die Schifffahrt im Norden (zwischen den ARA-Häfen und Köln) sowie im Süden auf den Nebenflüssen eingeschränkt weiterläuft, kommt der Verkehr im Mittelabschnitt voraussichtlich vollständig zum Erliegen.




