Innenminister Manuel Hagel (CDU) und die Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, Beate Bube, haben den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vorgestellt. Der Bericht offenbart eine immer komplexer werdende Sicherheitslage: Neben klassischen extremistischen Phänomenen gewinnen hybride Bedrohungen, Desinformation, Spionage und Cyber-Angriffe an Bedeutung.
Die Grenzen zwischen Innerer und äußerer Sicherheit verschwimmen nach Einschätzung des baden-württembergischen Innenministeriums immer weiter. Die Bedrohungslage reiche von Sabotageversuchen und Informationsmanipulationen bis hin zu Angriffen auf kritische Infrastrukturen. Insbesondere Russland setze nach wie vor sogenannte „Low-Level-Agenten“ ein, um mithilfe verdeckter Operationen Einfluss zu nehmen. Zudem beobachtete der Verfassungsschutz im Vorfeld der Landtagswahl 2026 Desinformationskampagnen mit Bezug zu Baden-Württemberg. Als Reaktion richtete die Landesregierung 2025 eine „Taskforce Desinformation“ ein.
Aufgrund seiner Wirtschafts- und Forschungslandschaft bleibt Baden-Württemberg zudem ein Ziel ausländischer Nachrichtendienste. Besonders Technologieunternehmen, Forschungseinrichtungen und die Rüstungsindustrie stehen im Fokus von Spionage- und Cyber-Aktivitäten. Der Verfassungsschutz hat daher seine Beratungsangebote für gefährdete Unternehmen und Institutionen verstärkt.
Mehr Extremistinnen und Extremisten in BaWü
Im Bereich Linksextremismus stieg das Personenpotenzial leicht auf 2.730 Personen (2024: 2.700), darunter 880 als gewaltorientiert eingestufte Personen (2024: 850). Deutlich zugenommen haben die Straftaten: Sie stiegen von 342 Fällen im Jahr 2024 auf 608 Fälle im Jahr 2025. Die Zahl der Gewaltdelikte erhöhte sich von 34 auf 49 Fälle. Die Szene trat insbesondere durch Sabotage- und Störaktionen in Erscheinung. Der Verfassungsschutz beobachtet zudem verstärkte Versuche linksextremistischer Gruppierungen, Jugendliche über soziale Medien oder im schulischen Umfeld anzusprechen.
Im Bereich des Rechtsextremismus stieg das Personenpotenzial 2025 auf rund 3.790 Personen, was einem neuen Höchststand entspricht (2024: 3.140). Auffällig ist, dass die Szene immer jünger wird. Während die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten leicht auf 2.537 Fälle zurückging (2024: 2.569), stieg die Zahl der Gewaltdelikte deutlich von 54 auf 97 Fälle. Vor allem rassistische und fremdenfeindliche Motive standen dabei im Vordergrund.
Auch das Milieu der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ wächst weiter. Das Personenpotenzial stieg auf rund 4.400 Personen (2024: 4.200), etwa zehn Prozent gelten als gewaltorientiert. Die Szene tritt zunehmend öffentlich auf und versucht, ihre Ideologie sichtbarer zu machen.
Die Gefährdungslage im Bereich des Islamismus bleibt weiterhin angespannt. Der Verfassungsschutz sieht insbesondere eine zunehmende Radikalisierungsgefahr unter Jugendlichen über soziale Netzwerke wie TikTok oder Instagram. Die salafistische Szene umfasst in Baden-Württemberg weiterhin etwa 1.350 Personen. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung digital verbreiteter und zunehmend mit Künstlicher Intelligenz erstellter Propaganda zu.
Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Israel-Palästina-Konflikt wurden teilweise von extremistischen Akteuren genutzt, um antisemitische und israelfeindliche Inhalte zu verbreiten. Die Zahl antisemitischer Straftaten im Bereich „ausländische Ideologie“ sank zwar auf 191 Fälle (2024: 240), liegt aber weiterhin deutlich über dem Niveau vor dem Hamas-Angriff auf Israel 2023.




