Die Vorweihnachtszeit und der inzwischen auch in Deutschland weit verbreitete Black Friday lassen die Arbeitslast des Zolls jährlich stark ansteigen: Das Paketaufkommen im Onlinehandel und bei Geschenksendungen erreicht in diesen Wochen seinen Höhepunkt.
Um Verbraucherinnen und Verbraucher frühzeitig über mögliche Hürden beim internationalen Versand zu informieren, setzt der Zoll verstärkt auf digitale Angebote. „Ein kurzer Blick auf zoll.de kann viel Ärger ersparen“, erklärt Stephanie Auerswald, Pressesprecherin des Hauptzollamts Gießen. Dort finden sich alle wichtigen Hinweise rund um den Warenversand. Für schnelle Auskünfte steht der Chatbot „TinA“ bereit: Mit dem Abgabenrechner lassen sich zudem voraussichtliche Einfuhrabgaben unkompliziert berechnen.
Einheit und Vernetzung
Auch abseits des Weihnachtsgeschäfts treibt der Zoll seine digitale Transformation voran. Neue Lösungen sollen Abläufe vereinfachen und beschleunigen. Gleichzeitig stellt die Integration moderner Technologien die Verwaltung vor Herausforderungen: Die Systeme müssen in eine konsistente IT-Landschaft eingebettet werden, um neue Doppelstrukturen zu vermeiden. „Wir modernisieren nicht nur Systeme, wir modernisieren Verwaltungskultur“, sagte Dr. Rolf Bösinger, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium (BMF), auf dem Digitalen Zolltag. Übergangsweise ließen sich parallele Strukturen nicht immer verhindern, so Bösinger – sie müssten jedoch schrittweise zurück gebaut werden. Das BMF setze dabei auf „Einheit statt Parallelität und Vernetzung statt Fragmentierung“.
Die Weichen werden gestellt
Für Karina Witt, Leiterin des BMF-Referats für Digitalisierung der Zollverwaltung, ist der digitale Wandel auch eine Antwort auf den zunehmenden Personalmangel. „Ein digital aufgestellter Zoll ist zugleich ein wichtiger Standortfaktor für die Bundesrepublik Deutschland und macht die Behörde gleichzeitig als Arbeitgeber attraktiver“, betont sie.
Die Herausforderung ist groß: Innerhalb der kommenden zehn Jahre wird rund ein Drittel der Beschäftigten die Verwaltung verlassen. „Die Nachbesetzung dieser Stellen stellt den Zoll vor ganz besondere Herausforderungen“, so Witt. Neue Kräfte allein reichten jedoch nicht aus – der Zoll müsse so digital aufgestellt sein, dass er wachsenden Aufgaben langfristig gewachsen sei. In den vergangenen Jahren seien zahlreiche Strategien und Einzelmaßnahmen entwickelt worden, denen jedoch lange ein verbindlicher Rahmen fehlte.
Mit einem neuen Weichendokument habe das BMF nun für Orientierung gesorgt. Ein weiterer wichtiger Schritt im Zuge der Digitalisierung ist die Neuordnung der IT-Zuständigkeiten in der Bundesverwaltung. Christine Serrette, technische Vizedirektorin des ITZBund, bestätigte, dass die lang erwartete Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und dem BMF inzwischen unterzeichnet wurde. Die organisatorische Neuaufstellung soll Anfang 2027 in Kraft treten, erste Vorbereitungsprojekte liefen bereits.
Das ITZBund selbst werde „zum 01.01.2027 an das BMDS überführt“, so Serrette. Bereits jetzt gebe es erste gemeinsame Projekte von BMDS, BMF und ITZBund, um die organisatorische Trennung im Jahr 2026 vorzubereiten. Serrette betonte: „Unser Ziel ist es, aus der bestehenden Struktur zwei leistungsfähige Dienstleister zu entwickeln, die jeweils ihre Aufgaben optimal erfüllen.
Der Bundesvorsitzende der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft, Thomas Liebel, kritisierte den bisherigen Fortschritt jedoch als zu schleppend. Die ITZBund-Transformation belaste die Beschäftigten stark: Derzeit gebe es weder einen konkreten Umsetzungs- noch einen Budgetplan. Liebel befürchtet deshalb, dass die Umstrukturierung zu einem Stillstand der IT-Entwicklung des Zolls führen könnte.




