ChatGPT, Gemini, Claude und andere KI-Systeme sind längst auf vielen Smartphones angekommen – und auch im Arbeitsalltag der Verwaltung keine Ausnahme mehr. Zahlreiche öffentliche Einrichtungen testen bereits KI-Tools, von Chatbots bis hin zu internen Assistenzsystemen für Mitarbeitende.
Doch die erhofften Effizienzgewinne kommen bei den Bürgerinnen und Bürgern bislang wenig spürbar an. Die Digitalisierung der Verwaltung wird in einer aktuellen Umfrage der DIHK weiterhin nur mit der Note 4,2 bewertet. Für Prof. Dr. Beate Eibelhäuser ist das kein Widerspruch, sondern ein strukturelles Problem. „Einzelne exzellente Anwendungen zeigen, was technologisch möglich ist, aber sie machen noch keine institutionellen Fähigkeiten“, betont die Professorin für Public Management und Digitalisierung an der Hessische Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit.
Genau hier setze die Frage der KI-Governance an. Denn KI sei längst nicht mehr nur Zukunftstechnologie, sondern Teil des Verwaltungsalltags. Wenn ein System Handlungsempfehlungen liefert, bleibe die Entscheidung zwar beim Menschen. Die entscheidende Frage liege jedoch eine Ebene darüber: Ist dieser Einsatz strategisch vorbereitet, dokumentiert und organisatorisch verankert?
„Wer steuert und überwacht eigentlich wen?“, fragt die Dekanin zugespitzt. Organisationen stehen laut Eibelhäuser damit in einer doppelten Rolle: Sie müssen KI einerseits kontrollieren, andererseits aber auch aktiv nutzen. Der Nutzen entscheide sich dabei nicht an der Zahl der Pilotprojekte, sondern daran, ob aus ihnen verlässliche, alltägliche Praxis entsteht.
Alle guten Dinge sind drei
Sie macht ein Spannungsfeld zwischen drei Anforderungen auf: Strategie, Innovation und Verantwortung. Strategisch müsse klar sein, wofür KI eingesetzt wird – und wofür bewusst nicht. Innovation brauche kontrollierte Räume zum Lernen, ohne die Organisation zu überfordern. Und Verantwortung bedeute, dass Entscheidungen, Kontrolle und Erklärung beim Menschen bleiben.
Daraus entstehe ein klassisches Dilemma: Zu viel Vorsicht führe zu Stillstand, zu viel Tempo zu Kontrollverlust. Gute KI-Governance löse diesen Konflikt nicht, mache ihn aber entscheidbar, und zwar durch klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Informationsgrundlagen und vorab definierte Grenzen.




