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StartDigitalesIT-Dienstleister mit neuem Selbstverständnis

IT-Dienstleister mit neuem Selbstverständnis

Das ITDZ Berlin ist als IT-Dienstleister des Landes zentraler Akteur der digitalen Transformation der öffentlichen Verwaltung in der Hauptstadt. Über die damit verbundenen Projekte und Herausforderungen sowie den Wandel im Unternehmen spricht Guido Gehrt mit ITDZ-Vorständin Dr. Maria Borelli.

Behörden Spiegel: Frau Dr. Borelli, Sie haben zum 1. Juli 2024 Ihr Amt angetreten. Welche zentralen Erfahrungen nehmen Sie aus den vergangenen beiden Jahren mit?

Dr. Maria Borelli: Insgesamt sind es sehr positive Erfahrungen. Als ich meine Aufgabe übernommen habe, wurde mir ein anderes Bild vom ITDZ Berlin vermittelt, als ich es tatsächlich vorgefunden habe. Das ITDZ ist deutlich besser als sein Ruf. Wir sind eine leistungsfähige und kundenorientierte Organisation, die entscheidende Beiträge zur Digitalisierung des Landes Berlin  leistet.

Das hat sich für mich bereits beim Projekt BWAS  (Breitband- und WLAN-Ausbau der Berliner Schulen) gezeigt. Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und der Senatskanzlei haben wir die Anbindung von fast 700 Berliner Schulen an Breitband-Internet und WLAN innerhalb des Budgets und sogar vorzeitig abgeschlossen.

Seitdem haben wir weitere Verantwortung übernommen, etwa für das landesweite Programm OneIT@Berlin. Erstmals wurde das ITDZ Berlin mit der Standardisierung der IT-Arbeitsplätze in der Berliner Verwaltung betraut. Allein in den vergangenen elf Monaten haben wir mehr als 1.500 BerlinPCs ausgerollt – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Die Rückmeldungen der Verwaltungen bestätigen, dass die standardisierten Systeme stabiler und benutzerfreundlicher sind.

Auch darüber hinaus konnten wir wichtige Projekte umsetzen: Gemeinsam mit Brandenburg betreiben wir die Behördennummer 115, wir haben das Rechenzentrum Justiz aufgebaut und beteiligen uns an der Bundesjustiz-Cloud. Das zeigt, dass das ITDZ Berlin nicht nur leistungsfähig ist, sondern sich auch erfolgreich in die föderale Zusammenarbeit einbringt.

Natürlich gibt es weiterhin Verbesserungspotenzial. Besonders beeindruckt haben mich aber die hohe Kundenorientierung unserer Mitarbeitenden, ihre Identifikation mit dem Land Berlin und ihr Engagement für die Digitalisierung. Deshalb waren die vergangenen zwei Jahre für mich insgesamt sehr erfolgreich.

Behörden Spiegel: Die Situation des ITDZ Berlin und insbesondere das Verhältnis zum Berliner Senat war in den vergangenen Monaten nicht ganz einfach. Worum ging es in dem Konflikt?

Dr. Borelli: Von einem Konflikt würde ich nicht sprechen. Was in der Presse daraus gemacht wurde, hat mich eher überrascht. Tatsächlich geht es um ein strukturelles Problem beim Finanzierungsmodell des ITDZ Berlin. Diese Einschätzung wird inzwischen auch vom Senat geteilt.

Natürlich haben wir eigene Aufgaben zu erledigen. Gleichzeitig ist die Finanzierung der bestehenden IT-Landschaft nicht ausreichend berücksichtigt. Es werden neue Digitalisierungsprojekte angestoßen, während der Betrieb und die Modernisierung der bestehenden Verfahren häufig nicht mitgedacht werden. Die Folgen trägt das ITDZ Berlin.

Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit der Senatskanzlei ein tragfähiges Finanzierungsmodell entwickeln werden. Wie genau dieses aussehen wird, ist Teil eines ganz normalen Abstimmungsprozesses.

Behörden Spiegel: Das ITDZ Berlin befindet sich in einem Wandel. Wo steht die Transformation heute?

Dr. Borelli: Vor zwei Jahren habe ich ein Unternehmen vorgefunden, das vor allem Projekte umgesetzt hat, ohne frühzeitig in deren Planung eingebunden zu sein. Dadurch wurden wir häufig erst dann hinzugezogen, wenn es um den Betrieb ging. Das ist aus meiner Sicht nicht der richtige Ansatz.

Wir verstehen uns heute als Partner der Verwaltung von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Deshalb richten wir unsere Organisation stärker an den Bedürfnissen unserer Kunden aus. Wir wollen gemeinsam mit den Verwaltungen frühzeitig entscheiden, wie sich ein Digitalisierungsvorhaben am besten realisieren lässt – unabhängig davon, ob die Leistung am Ende vom ITDZ Berlin oder von Dritten erbracht wird.

Darüber hinaus beraten wir unsere Kunden stärker zu IT-Sicherheit, Betriebssicherheit und digitaler Souveränität. Diese Themen werden in vielen Projekten noch zu spät berücksichtigt. Unser Anspruch ist, dass Digitalisierungsprojekte von Anfang an technisch sicher und nachhaltig geplant werden.

Die Rückmeldungen zeigen, dass dieser Weg richtig ist. Die Verwaltungen beziehen uns heute deutlich früher in ihre Projekte ein.

Behörden Spiegel: Haben Sie dafür auch die Organisationsstruktur angepasst?

Dr. Borelli: Ja, schrittweise. Wir richten unsere Kundenbereiche konsequent an den Bedürfnissen der Verwaltung aus und setzen die Veränderungen gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden um. Gleichzeitig verändern wir unsere Arbeitsweise: Wir betreiben nicht mehr alles selbst, sondern arbeiten im Rahmen unserer Cloudstrategie verstärkt mit Partnern zusammen. Das bringt organisatorische Veränderungen mit sich und bleibt ein fortlaufender Prozess.

Behörden Spiegel: Benötigt das ITDZ Berlin dafür mehr Personal?

Dr. Borelli: Nicht unbedingt mehr Personal, sondern andere Kompetenzen. Natürlich wächst mit zusätzlichen Aufgaben auch der Personalbedarf. Entscheidend ist aber, dass wir künftig weniger klassische Administratoren und mehr Architekten, Projektleiter und Mitarbeitende benötigen, die Digitalisierung aktiv gestalten. Deshalb sehe ich keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Personalaufwuchs und Geschäftsentwicklung.

Behörden Spiegel: Den öffentlichen IT-Dienstleistern kommt bei der digitalen Transformation der Verwaltung eine Schlüsselrolle zu. Wo liegen aktuell und perspektivisch die größten Herausforderungen?

Dr. Maria Borelli: Ein Schwerpunkt bleibt das Programm OneIT@Berlin zur landesweiten Umsetzung einheitlicher IT-Standards. Unsere Kapazitäten für das kommende Jahr sind bereits weitgehend ausgelastet, sodass wir den Rollout der standardisierten Arbeitsplätze konsequent fortsetzen werden.

Hinzu kommt die Digitale Akte, für die wir Anfang des Jahres 2026 ebenfalls inzwischen die Gesamtverantwortung übernommen haben. Sie ist bereits in mehr als 30 Behörden des Landes Berlin eingeführt. Jetzt geht es darum, sie flächendeckend und vor allem für alle relevanten Geschäftsprozesse nutzbar zu machen. Voraussetzung dafür ist die Anbindung der Fachverfahren – eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre.

Gleichzeitig müssen wir der Verwaltung den sicheren Einsatz neuer Technologien ermöglichen. Cloud und Künstliche Intelligenz werden viel diskutiert. Entscheidend ist jedoch, wie KI-Anwendungen mit den eigenen Verwaltungsdaten sicher betrieben werden können. Deshalb bieten wir sichere Datenräume, in denen unsere Kunden ihre Anwendungen mit ihren eigenen Daten nutzen können. Erst dadurch entsteht der eigentliche Mehrwert.

Ebenso wichtig sind mehr Standardisierung und eine engere Zusammenarbeit mit Bund und Ländern. Noch immer werden vielerorts ähnliche Lösungen parallel entwickelt. Wir brauchen mehr Nachnutzung bewährter Systeme. Gleichzeitig kann Berlin eigene Lösungen stärker in die föderale Zusammenarbeit einbringen – etwa im Umfeld der Bundesjustiz-Cloud.

Eine weitere Herausforderung ist die Modernisierung der bestehenden IT-Landschaft. Während über KI und Cloud gesprochen wird, geraten die vorhandenen Fachverfahren und Infrastrukturen leicht aus dem Blick. Wer neue Technologien erfolgreich einsetzen will, braucht aber ein stabiles Fundament. Viele Daten liegen noch in veralteten Systemen. Dieses Thema ist inzwischen erkannt, benötigt aber weiterhin deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Behörden Spiegel: Sie haben mit Blick auf die Behördennummer 115 das Thema Kooperation bereits angesprochen. Wie sieht die Zusammenarbeit des ITDZ Berlin mit anderen IT-Dienstleistern aus und wo sehen Sie weiteres Potenzial?

Dr. Maria Borelli: Wir arbeiten bereits in verschiedenen Bereichen erfolgreich mit anderen IT-Dienstleistern zusammen – etwa beim Betrieb des Rechenzentrums Justiz mit dem  brandenburgischen ZIT-BB oder im Open-Source-Umfeld mit ZenDiS. Gemeinsam entwickelte Lösungen setzen wir inzwischen erfolgreich in der Berliner Verwaltung ein.

Verbesserungsbedarf sehe ich allerdings bei den Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit. Darüber habe ich mich auch mit der GovDigital ausgetauscht. Der Austausch von Leistungen nach dem Einer-für-Alle-Prinzip funktioniert grundsätzlich gut. Was bislang fehlt, sind verbindliche Standards für das Lifecycle-Management gemeinsamer Lösungen.

Fragen wie Weiterentwicklung, Support, Modernisierung oder der Umgang mit dem Ende eines Produktlebenszyklus sind bislang nicht einheitlich geregelt. Genau das erschwert eine engere Zusammenarbeit. GovDigital hat die vertraglichen Grundlagen bereits weitgehend vereinheitlicht. Nun sollten auch Betriebs- und Weiterentwicklungsprozesse standardisiert werden. Das würde die Kooperation zwischen den öffentlichen IT-Dienstleistern deutlich erleichtern und die Nachnutzung gemeinsamer Lösungen weiter stärken.

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