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Mit gutem Beispiel vorangehen

Ob Frankreich-Festival, Japan-Tag oder Weihnachtsmarkt – bei der Müllvermeidung geht die Landeshauptstadt Düsseldorf mit ihrer Mehrwegstrategie mit gutem Beispiel voran – das belegt auch ein kürzlich vergebenes Gütesiegel. Doch abgesehen davon gibt es auch andere Wege, wie eine öffentliche Verwaltung bei diesem Thema ihren Einwohnenden ein gutes Vorbild sein kann.

Denn wie der Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) erklärt, sei Abfallvermeidung ökologisch wirksamer als Recycling, da Ressourcen und Emissionen bereits an der Quelle eingespart werden könnten. „Recycling bleibt unverzichtbar, doch der größte Nutzen entsteht, wenn Produkte möglichst lange genutzt und Abfälle gar nicht erst erzeugt werden.“ Ähnlich sieht das auch die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. Ein Teil ihrer Zero-Waste-Strategie ist das Projekt Düsseldorf auf dem Mehrweg. Im Zuge dessen hat die Stadt sämtliche Veranstaltungen auf die Nutzung von Mehrweg umgestellt. Auf diese Weise konnte das System pro Jahr bereits rund 20 Millionen Einwegbecher einsparen.

Wie die Stadt die Einführung Schritt für Schritt geschafft hat, erklärt eine Stadtsprecherin. Dafür habe Düsseldorf im Zeitraum von 2022 bis 2024 eng mit den Schaustellern und Veranstaltern zusammengearbeitet. Diese hätten zwar zunächst Bedenken hinsichtlich Logistik und Kosten gehabt, diese habe die Verwaltung aber durch die Entwicklung geeigneter Mehrwegangebote von lokalen Anbietern weitestgehend ausräumen können. „Die erfolgreiche Umsetzung bei Großveranstaltungen wie der Rheinkirmes zeigt, dass auch Veranstaltungen mit mehreren Millionen Besuchern ohne nennenswerte Mehrkosten oder negative Auswirkungen auf Besucherzahlen und Beteiligte auf Mehrweg umgestellt werden können“, erklärt die Sprecherin. Ausschlaggebend für den Erfolg seien eben die enge Zusammenarbeit mit den Beteiligten sowie „praxisgerechte Ausnahmeregelungen für bestimmte Verpackungen“. Mit diesem Konzept gewann die Stadt auch das diesjährige Bewährt vor Ort-Siegel für kommunale Innovation im Themenbereich Klima- und Ressourcenschutz sowie Klimaanpassung.

Darüber hinaus befindet sich die Verwaltung im Implementierungsprozess für das Zero-Waste-Konzept und ist dabei, erste Maßnahmen umzusetzen: Dafür sollen z. B. Feinkonzepte für den Düsseldorfer Foodsharing-Hub und den Einsatz von Wertstoff- und Repair-Mobilen erstellt werden. „Darüber hinaus setzt die Verwaltung aktuell noch die Maßnahme GH-3 Urban Mining des Zero-Waste-Konzeptes unter dem Titel ‚second Bau’ um. Ein innovatives Vorhaben zur Förderung der Wiederverwendung von Bauprodukten, Bauteilen und Materialien sowie zur Stärkung zirkulärer Bauweisen auf lokaler Ebene.“

Viele Wege führen zum Ziel

Aber nicht nur auf Veranstaltungen lassen sich Wegwerfprodukte einsparen. So hat sich Kiel zum Ziel gesetzt, als Vorbild für einen ressourcenschonenden Umgang mit Materialien und Produkten voranzugehen. Dazu würden verschiedene Projekte umgesetzt, wie Selina Kahl, Projektleitung Zero Waste im Umweltschutzamt der Landeshauptstadt Kiel, anhand mehrerer Beispiele illustriert: Zunächst gebe es die Kieler Bodenbörse, die durch den Wiedereinsatz von Bodenaushub von und bei Baustellen bereits seit 2023 insgesamt ca. 12.000 Tonnen Bodenabfälle eingespart habe. Dann habe das Kieler Tiefbauamt 2025 eine Recyclingquote von über 70 Prozent für die Anfertigung von Flüssigböden erreicht. Primärrohstoffe und Kosten konnten somit eingespart werden. Und zu guter Letzt hat auch Kiel 2022 ein verpflichtendes Mehrweggebot für Veranstaltungen eingeführt. Die Kieler Woche mache es vor, aber auch auf Weihnachtsmärkten und Innenstadtfestivals würden immer mehr Speisen und Getränke in Mehrweg ausgegeben, erläutert Kahl. Das Einwegverbot gilt aber nicht nur für Veranstaltungen, sondern auch für die Amtsstuben selbst: In ihrer Zero-Waste-Strategie sieht die Stadt auch eine nachhaltige Beschaffung vor – „so sollen künftig nur noch Gegenstände im Büro genutzt werden, die langlebig, wiederverwendbar und/oder auffüllbar sind“.

Diese und viele weitere Maßnahmen lassen sich aber nicht einfach so umsetzen. Gefragt sind viele verschiedene Akteure des Öffentlichen Dienstes. Deshalb hätten bereits in der Konzepterstellungsphase die unterschiedlichen Fachämter an der Maßnahmenentwicklung mitgewirkt und im Zero- Waste-Konzept auch die Zuständigkeiten verankert. „Die zentrale Anlaufstelle innerhalb der Stadtverwaltung bildet dabei das Zero- Waste-Team im Umweltschutzamt. Dieses gilt als Ansprechpartner und bündelt sowohl Umsetzungsstände als auch die städtische Wirksamkeitsmessung der Maßnahmen“, so Kahl. Eine Gelegenheit, um über Themen wie Ressourcenschutz und Abfallvermeidung zu sprechen und diese mit bestehenden Aufgaben zu verknüpfen, gebe es im Rahmen regelmäßiger verwaltungsinterner Austauschformate.

Möglichkeiten und Pflichten

Ähnlich sieht es auch der VKU: „Für ein erfolgreiches Zero-Waste- Konzept sind vor allem eine klare Strategie zur Abfallvermeidung, die Einbindung lokaler Akteure sowie die Förderung von Wiederverwendung und Reparatur entscheidend. Kommunen sollten zudem Bürgerinnen und Bürger durch Information und Beteiligung aktiv einbinden.“ Eine ganz freiwillige Entscheidung sei es für viele Kommunen allerdings nicht, wie der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Christian Schuchardt, ergänzt. Denn allein Kostendruck und Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichteten u. a. zu Abfallvermeidung und Bürgerberatung zu eben diesem Thema. Schuchardt ist allerdings auch der Ansicht, dass derlei Strategien nicht nur für Großstädte machbar sind. Denn nicht jede Kommune brauche ein umfangreiches Abfallvermeidungskonzept; schon kleine Maßnahmen könnten helfen: „Mehrweg statt Einweg in den Verwaltungsbüros, zentrale Beschaffung statt Einzelkäufe oder digitale Dokumente statt Papier als Standard.“ Auch eine nachhaltige Beschaffung könne ein zusätzlicher Treiber sein, denn sie helfe, „langlebigere Produkte anzuschaffen, die unterm Strich weniger Abfall produzieren.“ Ein Beispiel dafür sei die Verwendung des Blauen Engels, um ressourcenschonende und nachhaltige Produkte einzukaufen.

Unabhängig vom Rahmenkonzept sei es allerdings besonders wichtig, dass bereits bei der Erstellung einer Zero-Waste- oder Abfallvermeidungs- Strategie möglichst viele Beteiligte aus unterschiedlichen Bereichen der Stadtverwaltung einbezogen werden sollten, erklärt die Kieler Projektleiterin. Dies erhöhe nicht nur die Akzeptanz der Maßnahmen, sondern sei vor allem wichtig, „um bereits laufende Projekte und bestehendes Engagement zu würdigen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln. Denn für eine erfolgreiche Transformation zu einer ressourcenschonenden Gesellschaft brauchen wir alle gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure.“

Rechtliche Rahmenbedinungen

Zudem existiert seit Juni ein Novellierungsentwurf für das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), mit dem die EU-Richtlinien über Abfälle (Abfallrahmenrichtlinie, 2008/98/EG) und hier insbesondere die jüngsten Richtlinien (EU) 2025/1892 und 2018/851 zur Änderung der Abfallrahmenrichtlinie eins zu eins in geltendes Recht überführt werden sollen. Besonders wegen der steigenden Recyclingziele für Siedlungsabfälle bestehe Handlungsbedarf, um die künftigen Quoten erfüllen zu können. „Mit dem Gesetzentwurf werden deshalb weitere Maßnahmen zur Fortentwicklung des Kreislaufwirtschaftsrechts, insbesondere zur Stärkung der Abfallvermeidung und Verbesserung der getrennten Sammlung, ergriffen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums. Der VKU-Sprecher begrüßt den Entwurf zunächst, denn kommunale Unternehmen seien zentrale Akteure der Kreislaufwirtschaft und die Novelle stärke die Bereiche Abfallvermeidung und Wiederverwendungen. Zusätzlich werde auch mehr rechtliche Klarheit für kommunale Aufgaben geschaffen. „Entscheidend ist jedoch, dass neue Pflichten praktikabel, rechtssicher und finanziell tragfähig ausgestaltet werden.“

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