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Mehr Dynamik – Digitalisierung in Niedersachsen neu aufgestellt

Für die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung hat sich das Land Niedersachsen in den vergangenen zwölf Monaten neu aufgestellt. So wurden die Aufgaben und Kompetenzen im September 2025 im Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung gebündelt und es wurde Anke Pörksen die erste Digitalisierungsstaatssekretärin ins Amt eingeführt. Seit März 2026 erhält sie tatkräftige Unterstützung durch Dr. Alexander Georgiadis, Abteilungsleiter Digitalisierung, IT-Gesamtsteuerung, -Sicherheit und -Infrastruktur sowie neuer CIO des Landes. Guido Gehrt spricht mit dem neuen Tandem über die neue Ausrichtung und konkrete Umsetzung des digitalen Wandels in Niedersachsen und darüber hinaus.

Behörden Spiegel: Frau Pörksen, Herr Dr. Georgiadis, Sie beide haben die Digitalisierung in der Landesregierung neu ausgerichtet. Was soll sich dadurch konkret ändern?

Anke Pörksen: Ministerpräsident Olaf Lies hat im vergangenen Sommer entschieden, die Digitalisierung in Niedersachsen deutlich zu stärken. Dafür ist die bereits vorhandene Abteilung im Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung personell besser aufgestellt und eine Digitalisierungs-Staatssekretärin berufen worden. Im September 2025 sind wir gestartet und haben noch mehr Dynamik in die Digitalisierung der Verwaltung und der Wirtschaft bringen können. Niedersachsen war und ist in einigen Bereichen bereits gut aufgestellt, etwa bei der Cyber-Sicherheit.

Gleichzeitig musste insbesondere bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes und der Ende-zu-Ende-Digitalisierung mehr passieren. Da haben wir nun wichtige Fortschritte erzielt: Seit einigen Monaten unterstützt das Land die Kommunen beim Anbinden von Fokusleistungen. So kommen wir gemeinsam gut voran. Und wir engagieren uns sehr in der bundesweiten Zusammenarbeit – Standardisierung und kleine, aber konsequente Schritte hin zu mehr Souveränität sind unser Anliegen.

Dr. Alexander Georgiadis: Wir haben außerdem unsere internen Strukturen überprüft und Synergien zwischen Wirtschaft und Verwaltung stärker zusammengeführt. Das wird auch bei dem neu eingerichteten Referat für digitale Technologien in Wirtschaft und Verwaltung deutlich: Die Verwaltung kann von der Wirtschaft lernen – und umgekehrt. So werden wir Effizienz und Zusammenarbeit verbessern.

Behörden Spiegel: Wie unterstützen und beschleunigen Sie konkret die Digitalisierung in den Kommunen?

Pörksen: Zunächst haben wir uns die Ausgangslage angesehen und festgestellt: Bei den digitalen Verwaltungsleistungen lag Niedersachsen zu dem Zeitpunkt im hinteren Mittelfeld. Deshalb haben wir den Roll-out. strukturell neu organisiert. Dafür arbeiten in einer Taskforce rund 30 Beschäftigte von unserem IT-Dienstleister IT.Niedersachsen, von GovConnect, vom Innenministerium und weiteren Partnern eng und konstruktiv zusammen.

Der Prozess läuft in drei Phasen: Zunächst werden die Voraussetzungen für Online-Anbindungen wichtiger Verwaltungsleistungen geschaffen und Hindernisse beseitigt. Dann wird die Leistung von den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern vor Ort in der Kommune online gestellt. Sie werden dabei intensiv begleitet und unterstützt. Die Anbindung an das Fachverfahren wird gleich mitgedacht, damit kein neuer Medienbruch entsteht und die Verwaltung vor Ort entlastet wird. In einer dritten Phase sorgt die Taskforce dafür, dass die Leistungen im Dashboard Digitale Verwaltung erfasst werden.

Seit dem Start im Februar 2026 konnten bis Anfang Juli so bereits 324 Verwaltungsleistungen online gestellt werden. Niedersachsen ist damit im bundesweiten Vergleich deutlich vorangekommen. Jetzt geht es darum, diese Dynamik möglichst auf alle niedersächsischen Kommunen zu übertragen, auch auf diejenigen, die weniger personelle oder technische Ressourcen haben.

Behörden Spiegel: Wie können insbesondere kleinere Kommunen mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen unterstützt werden?

Georgiadis: Das ist für uns ein zentraler Punkt. Deshalb unterstützen wir als Land mit der Taskforce durch Know-how und finanzieren zentrale Elemente. Beispielsweise übernehmen wir bei den Fokusleistungen die Anbindung an die Fachverfahren und die Betriebskosten der Schnittstellen bis 2028.

Klar ist: Digitalisierung ist von großem Vorteil für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Aber sie muss sich auch langfristig für die Kommunen rechnen. Wenn Prozesse durch Digitalisierung und Automatisierung effizienter werden, entsteht in den Verwaltungen ein konkreter Nutzen – so werden Prozessabläufe beschleunigt und Mitarbeitende entlastet. Das wird angesichts des demografischen Wandels immer wichtiger. Künftig werden wir vielerorts das benötigte Personal nicht mehr gewinnen können. Technische Unterstützung ist deshalb unverzichtbar.

Behörden Spiegel: Braucht Niedersachsen angesichts der Dynamik der Entwicklung eine neue Digitalstrategie 2030?

Pörksen: Wir werden die Strategie sicher noch einmal anfassen. Von Strategien allein wird ein Land jedoch nicht digital. Deshalb konzentrieren wir uns im Moment auf die Umsetzung. Unsere Schwerpunkte sind dabei die möglichst schnelle Ende-zu-Ende-Digitalisierung von Verwaltungsleistungen, die Umsetzung des D-Stacks, mehr digitale Souveränität und gleichzeitig mehr Sicherheit. Wichtig ist, dass Niedersachsen vorankommt und dass wir bundesweit enger zusammenarbeiten. Viele Weichenstellungen für das kommende Jahr werden bereits jetzt getroffen.

Georgiadis: Das heißt nicht, dass wir uns keine strategischen Gedanken machen. Wir überlegen beispielsweise, wie wir Basisdienste des Bundes nachnutzen und wie wir dort, wo sie fehlen, gemeinsam mit anderen Ländern Lösungen nach D-Stack-Standards entwickeln können. Zurückgestellt ist erst einmal nur die aufwendige Verschriftlichung in einem neuen Strategiedokument.

Behörden Spiegel: Frau Pörksen, Sie haben im kommenden Jahr den Vorsitz des IT-Planungsrats inne. Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Pörksen: Ein zentraler Schwerpunkt wird die gemeinsame Umsetzung des D-Stacks und damit die Stärkung der digitalen Souveränität sein. Wir wollen aus Niedersachsen Erfahrungen einbringen und schneller zu einer funktionierenden Nachnutzung digitaler Lösungen kommen.

Unser Grundsatz ist: Nichts neu entwickeln, wo es bereits vernünftige Anwendungen gibt. Wenn etwas neu entwickelt werden muss, sollte das möglichst gemeinsam mit anderen Ländern geschehen. Die Lösungen müssen zu den D-Stack-Standards passen, souverän betrieben und möglichst auch Open Source für andere zur Verfügung gestellt werden.

Der IT-Planungsrat sollte sich außerdem stärker mit der Umsetzung seiner Beschlüsse beschäftigen: Wie weit sind wir? Kommen wir dynamisch genug voran? Und nehmen wir alle Länder mit?

Behörden Spiegel: Wie können IT-Planungsrat und Digitalministerkonferenz zusammenwirken?

Pörksen: Die Digitalministerkonferenz hat den Vorteil größerer öffentlicher und politischer Aufmerksamkeit. Sie kann zudem – hoffentlich – stärker auf andere Fachministerkonferenzen einwirken. Das ist wichtig, da wesentliche Elemente der Digitalisierung in den Fachressorts stattfinden müssen. Staatsmodernisierung und Digitalisierung hängen eng zusammen: Wenn Prozesse kompliziert bleiben, wird auch die Digitalisierung nicht gut funktionieren. Wenn Informationen nicht in digitalen Registern verfügbar gemacht werden, funktioniert „once-only“ nicht, also das Hinzuziehen von Daten aus anderen Verwaltungsbereichen für die Bearbeitung von Vorgängen.

Der IT-Planungsrat arbeitet dagegen stärker auf der fachlichen und technischen Ebene. Dort geht es beispielsweise um Sicherheits- und Schnittstellenstandards. Beide Gremien können sich deshalb gut ergänzen. Entscheidend ist, dass möglichst alle Ressorts Digitalisierung mitdenken, ihre Prozesse optimieren und anschließend digitalisieren.

Behörden Spiegel: Wie gehen Sie mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Landesverwaltung um?

Georgiadis: Digitalisierung und KI sind angesichts des angesprochenen demografischen Wandels unabdingbar, damit auch der Staat leistungsfähig bleibt. Dabei müssen Datenschutz, Informationssicherheit und die Beteiligung der Personalräte berücksichtigt werden. Hier brauchen wir teilweise effizientere Verfahren. Wenn wir beispielsweise eine KI-Lösung in mehreren Ministerien einsetzen wollen, müssen derzeit alle Personalräte einzeln zustimmen. Das ist aufwendig und kostet uns in einem sich dynamisch entwickelnden Markt viel Umsetzungsgeschwindigkeit. Hier könnte eine einmalige Abstimmung mit einem zentralen Personalvertretungsgremium eine landesweite Nutzung ermöglichen.

Wir schauen uns außerdem derzeit intensiv an, welche KI-Anwendungen einen konkreten Mehrwert für die Verwaltung bringen – von Sprachmodellen bis zur Transkription und anderen Werkzeugen. Im Nordländerverbund haben wir uns beispielsweise auf ein gemeinsames Sprachmodell verständigt.

Pörksen: Wir wollen uns schrittweise auch für agentische KI öffnen, etwa um große Antrags- und Planungsverfahren besser steuern und automatisieren zu können. Gleichzeitig müssen wir die Risiken ernst nehmen. KI macht Fehler, da gilt es wachsam zu sein. Und KI wird bestimmte Tätigkeiten und teilweise auch Arbeitsplätze verändern. Deshalb müssen wir die Menschen noch besser auf die kommende Arbeitswelt vorbereiten. Und wir brauchen eine kritische, aber konstruktive gesellschaftliche Auseinandersetzung damit. Gerade die Verbindung von KI und Robotik eröffnet enorme Chancen, aber auch Risiken. Deshalb sollten wir die Entwicklung leistungsfähiger Systeme aufmerksam und umsichtig begleiten.

Behörden Spiegel: Was wünschen Sie sich von Bund und Ländern, damit die digitale Transformation schneller vorankommt?

Georgiadis: Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern wird aus unserer Sicht schon seit einigen Monaten immer partnerschaftlicher und intensiver. Entscheidend ist jetzt, die Basisdienste des Plattformkerns des D-Stacks zu konkreten, nutzbaren Produkten zu machen. Es muss klar sein, welche Lösungen beispielsweise für Authentifizierung oder Payment eingesetzt werden, wie sie finanziert und ausgerollt werden und welche Betriebskosten auf die Länder zukommen. So entsteht Planungssicherheit und eine belastbare Grundlage für Nachnutzung und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. In der vergangenen Sitzung des IT-Planungsrats haben wir hier wichtige Entscheidungen in diese Richtung getroffen. Diesen Weg gilt es nun konsequent weiterzugehen und auszugestalten.

Pörksen: Ich wünschte mir, dass Digitalisierung auf allen Ebenen noch selbstverständlicher als Führungsaufgabe verstanden wird – im Bundeskanzleramt, in den Staatskanzleien, in den Ministerien und in den Kommunen. Viele Kommunen sind sehr motiviert, scheitern aber an ihren Möglichkeiten. Deshalb brauchen sie Unterstützung, Know-how und gegebenenfalls auch rechtliche Veränderungen.

Und wir, die wir in den Digitalisierungsministerien und -abteilungen arbeiten, müssen verständlicher kommunizieren. Die Digitalisierungsszene hat eine eigene Sprache, die für viele Menschen schwer zugänglich ist. Deshalb müssen wir Digitalisierung begreifbarer machen, damit sie als Gewinn und Erleichterung erlebt wird.

Behörden Spiegel: Ist die Kommunikation rund um Themen wie den D-Stack nicht auch innerhalb der Fachwelt kompliziert?

Pörksen: Leider ja! Wir müssen über die inzwischen geeinten Elemente des D-Stacks verständlicher und möglichst in unterschiedlichen, zielgruppengerechten Formaten kommunizieren. Niedersachsen arbeitet deshalb unter anderem an Podcasts und Videos, in denen Elemente der Digitalisierung verständlich erklärt und praktisch gezeigt werden. Auch von Bund und FITKO würde ich mir deshalb noch mehr und noch bessere Kommunikation wünschen. Es gibt bereits sehr gute Ansätze. Jetzt kommt es darauf an, diese Entwicklung fortzusetzen und zwischen den Sitzungen des IT-Planungsrats kontinuierlich zu informieren und eng zusammenzuarbeiten.

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