21,7 Prozent der Landesbeschäftigten in Berlin haben laut einer aktuellen Befragung einen Migrationshintergrund. 39,4 Prozent – und damit wesentlich mehr – sind es laut Mikrozensus 2023 in der gesamten Bevölkerung der Hauptstadt. Die erstmalige Befragung unter den Beschäftigten soll nun helfen, Menschen mit Migrationshintergrund gezielt zu fördern und so die Vielfalt im Öffentlichen Dienst in Berlin zu erhöhen.
„Die ausgewerteten Daten sind ein Schatz“, erklärt die Berliner Beauftragte für Partizipation, Integration und Migration Katarina Niewiedzial. Viel aufschlussreicher als die Gesamtzahl der Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund sei es, in die einzelnen Behörden zu schauen. Der Anteil der Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund variiert in der Berliner Verwaltung stark und liegt zwischen 39 Prozent und gerade einmal 8,9 Prozent.
Die Zahlen belegen, dass insbesondere unter den Beamten mit 15,2 Prozent und unter den Führungskräften mit 15,9 Prozent nur relativ wenige Mitarbeitende in der Landesverwaltung einen Migrationshintergrund haben. Der Frauenanteil macht im Öffentlichen Dienst in Berlin stabil rund 60 Prozent aus, heißt es aus der Senatsverwaltung. Der Anteil an Frauen mit Migrationshintergrund liegt laut der Befragung bei 20,6 Prozent und damit minimal unter dem der Männer mit 22,5 Prozent.
Schritt für Schritt
Von den 143.000 Mitarbeitenden der Berliner Landesverwaltung haben 31.536, also ca. 22 Prozent, an der anonymen Befragung der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung und der Senatsverwaltung für Finanzen teilgenommen. Die Erhebung ist im Partizipationsgesetz des Landes verankert und soll der weiteren Personalplanung und -entwicklung und damit dem Erreichen einer gleichberechtigten Repräsentanz von Beschäftigten mit Migrationshintergrund im Öffentlichen Dienst dienen. Alle Senatorinnen und Senatoren haben einen Brief mit dem Bericht erhalten, in dem die relevanten Zahlen für ihren Bereich aufgeschlüsselt werden.
„Im nächsten Schritt werden wir Standards erarbeiten, um die Repräsentation von Menschen mit Migrationshintergrund in den Berliner Behörden zu erhöhen“, erläutert Niewiedzial. „Für die Erarbeitung der Förderpläne der Dienststellen setze ich zusammen mit der Fachstelle in meiner Abteilung einen Prozess auf.“ Vieles könnten die Dienststellen in Eigenregie gestalten und dazu selbst Maßnahmen ausarbeiten oder auf bereits erprobte zurückgreifen. Die Fachstelle in Niewiedzials Abteilung berate und unterstütze dabei. „Ich wünsche mir, dass die einzelnen Ressorts die Zahlen ihrer Beschäftigten genau analysieren und dass sie offen und kreativ bei der Gestaltung der Fördermaßnahmen sind“, so Niewiedzial. „Die vorliegende Erfassung bietet eine große Chance, gut qualifiziertes und engagiertes Personal zu gewinnen und zu fördern.“ Man wolle keinen zusätzlichen bürokratischen Aufwand verursachen, sondern Hilfe zur Diversifizierung der Verwaltung und auch im Kampf gegen den Fachkräftemangel bieten.
Zeit für Verständnis
Das Bemühen um Vielfalt in der Berliner Verwaltung ist schon jetzt spürbar, berichtet eine junge Mitarbeiterin. Die Quereinsteigerin hat selbst einen Migrationshintergrund und würde sich freuen, wenn alle Mitarbeitenden mehr für die Thematik sensibilisiert würden. „Es gibt tolle Weiterbildungsangebote im Kontext der Migration – die sind aber immer freiwillig“, erzählt sie. „Ich wünsche mir mehr verpflichtende Weiterbildungen zu relevanten Themen.“ Das könne helfen, auch jene Beschäftigten zu erreichen, die bisher wenige Berührungspunkte mit der Thematik haben. Migration betreffe schließlich alle.
Wie offen mit dem Thema Vielfalt und Migration umgegangen werde, sei in den verschiedenen Dienststellen der Berliner Verwaltung sehr unterschiedlich, so die Quereinsteigerin. Sie fordert die Verwaltung als Arbeitgeberin dazu auf, ihren Beschäftigten Zeit einzuräumen, um sich mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen. „Wenn es verpflichtend beginnt, funktioniert es irgendwann auch freiwillig.“ Change Management sei immer komplex, betont sie. Man müsse die Veränderung von unten beginnen – und zwar dringend: „Die Verwaltung muss jetzt agieren,sonst ist es irgendwann zu spät.“
Diese Dringlichkeit sieht auch Niewiedzial. „Die Uhr tickt“, sagt sie dazu. Der weiteren Entwicklung zu mehr Vielfalt in der Berliner Landesverwaltung sieht sie optimistisch entgegen. „Ich freue mich darauf. Eine moderne Metropol-Verwaltung muss ihre vielfältige Gesellschaft widerspiegeln. In den kommenden Jahren sind in Berlin durch den demografischen Wandel bis zu 40.000 Stellen neu zu besetzen. Dies ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Ich bin sicher, dass die Verwaltung durch die Maßnahmen, die auf der Grundlage unserer Erfassung entstehen, effizienter, besser und chancengerechter wird.“






