Innerhalb eines Jahres wurde Berlin Opfer von gleich zwei Brandanschlägen auf das städtische Stromnetz. Nun will die deutsche Hauptstadt sowohl ihre Infrastruktur als auch ihre Wirtschaft besser vor Angriffen schützen.
Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbands Bitkom e. V. sorgen sich davor 87 Prozent der deutschen Unternehmen, dass hybride Angriffe zu einer ernsthaften Krise führen werden. Der Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst fordert aus diesem Grund: „Wir müssen die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft massiv erhöhen – und zwar so schnell wie möglich.“
In Berlin haben sich hierfür nun verschiedene Akteure in einer gemeinsamen Initiative zusammengeschlossen. An der Initiative beteiligt sind die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK), die Handwerkskammer Berlin (HWK), die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) und die Berliner Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie (BPWT). Konkret sollen die Akteure künftig den Unternehmen als Partner und Erstanlaufstellen zum Thema betriebliche Resilienz zur Verfügung stehen.
Mit Blick auf die Anschläge der vergangenen Jahre auf das Berliner Stromnetz betonte die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD): „Betriebliche Resilienz in Krisenzeiten muss heute ein zentraler Bestandteil unternehmerischer Verantwortung sein.“ Für eine resiliente Wirtschaft mache gerade das Wissen um Ansprechpartner und Unterstützungsorganisationen den Unterschied aus. Bereits jetzt gebe es viele sinnvolle Angebote und Maßnahmen. „Wir wollen sie bekannter machen und mit dem Resilienz-Engagement vieler Unternehmen unseren Wirtschaftsstandort insgesamt stärker und robuster machen“, so Giffey.
Konzept zur sicheren Telekommunikation
Auch auf die Funktionsfähigkeit von Festnetz, Mobilfunk und Internet hatten die Stromausfälle massive Auswirkungen. Aus diesem Grund befasste sich der Berliner Senat nun mit dem „Resilienz-Konzept Mobilfunk für Berlin“. Nach Angaben der Senatskanzlei beruhe das Konzept auf den Erkenntnissen, die aus den Anschlägen und deren Bewältigung gewonnen wurden. Giffey erklärte hierzu: „Wir haben Verbesserungsbedarfe erkannt und in den letzten Monaten intensiv mit den Mobilfunkbetreibern daran gearbeitet, genau dort auch zu Verbesserungen zu kommen“. Das Konzept besteht aus zwölf Maßnahmen. Es soll nun den Grundstein für weitere Schritte von Land, Netzbetreibern und anderen beteiligten Akteuren bilden. „Das vorliegende Konzept ist ein weiterer Baustein für ein resilientes Berlin, neben dem TOP-Konzept für mehr technischen, organisatorischen und physischen Schutz von Kritischer Infrastruktur in der Hauptstadt und unserem Resilienzkonzept für die Wirtschaft, das Unternehmen besser für Krisenfälle wappnen soll“, ergänzte die Senatorin.
Schutz der Stromnetze
Für ein resilienteres Stromnetz hat der Senat bereits vor einigen Monaten mehrere Maßnahmen angekündigt. Hierzu teilte der landeseigene Betreiber Stromnetz Berlin kürzlich mit, dass die mehr als 70 Umspannwerke inzwischen mit einem 2,40 Meter hohen Zaun mit Stacheldraht ausgerüstet wurden. Insgesamt seien auf diese Weise 20 Kilometer Zaun verstärkt oder neu errichtet worden. Außerdem schützten aktuell 130 Sicherheitsleute für Stromnetz Berlin die Infrastruktur.
Zu dem bereits im Mai geplanten Sicherheitskonzept zum Schutz Kritischer Infrastrukturen gehören neben physischen und organisatorischen auch technische Maßnahmen. Zu den technischen Maßnahmen zählen eine verstärkte, auch KI-gestützte Videoüberwachung sowie die Schaffung sogenannter Georedundanzen. Das sind doppelt vorhandener Systeme, die räumlich ausreichend voneinander entfernt sind. So möchte Berlin verhindern, dass diese Ziel eines einzigen Angriffs werden.




