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Cyber-Sicherheit und Ehrenamt

Die Zivilgesellschaft ist für den Erhalt der Demokratie besonders wichtig. Im Ehrenamt ist allerdings die IT-Sicherheit häufig durch strukturelle Defizite gefährdet. Eine Stärkung der digitalen Zivilgesellschaft hilft, Lücken zu schließen.

Als im Juni mehr als 1.000 Ehrenamtliche zum Jahreskongress der Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) nach Berlin kamen, ging es dort auch um Digitales: den Missbrauch digitaler Medien für Manipulation und Polarisierung, um KI-Werkzeuge für bessere Orientierung im Fördergelddschungel, um digitale Gewalt gegen Ehrenamtliche und um Cyber-Sicherheit.

Gute Statistiken dazu, wie stark die laut Statista 17 Millionen Ehrenamtlichen (2025) und ihre Vereine und Initiativen von Cyber-Angriffen und digitaler Gewalt betroffen sind, gibt es leider bisher nicht. Aber immer öfter wird darüber berichtet, dass Engagierte digital angegriffen werden und dass meist kleine, ehrenamtlich getragene Organisationen durch chronischen Ressourcenmangel, fehlende Fachkompetenzen und veraltete, ungenügend gewartete IT anfälliger sind und im Ernstfall weniger resilient, weil regelmäßige Back-ups fehlen.

Die Kompetenz-Bandbreite im Ehrenamt ist hoch, aber die Kompetenzen sind nicht immer gleich verteilt. IT muss trotzdem genutzt werden. Wo es an einem Ende an den einfachsten Grundkompetenzen mangelt, findet sich am anderen Ende ein hochkompetentes digitales Ehrenamt – mit Mitgliedern aus der Open-Source-Community, die in ihrer Freizeit Sicherheitslücken schließen, über ehrenamtliche ITSicherheitsforschende und Aktive in Repair-Cafés bis hin zu Mitgliedern des Chaos Computer Clubs, die sich an der „Digital Independence Day“- Initiative beteiligen und jeden Monat der Zivilgesellschaft beim Umstieg von US-Plattformen auf sichere Alternativen helfen.

Digitale Ersthelfer gibt es noch zu wenige

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterstützt sogar die Qualifizierung von digitalen Ersthelfern durch die Bereitstellung von Online-Trainings und -Registrierung sowie einer Karte, auf der man bisher registrierte Ersthelfende finden kann. Dieser Service ist bei Ehrenamtlern bisher allerdings kaum bekannt – und genügend Ersthelfende gibt es ebenfalls nicht. In wenigen Bundesländern existieren für die Zivilgesellschaft erreichbare Notfall-Hotlines, wenn ein Cyberangriff vermutet wird. Eine der positiven Ausnahmen ist Baden-Württemberg, wo es in der Cybersicherheitsagentur des Landes eine 24/7 betriebene Hotline gibt, die „Cyber-Ersthilfe“ leistet – nicht nur für Bürgerinnen und Bürger, Ehrenamtliche eingeschlossen, sondern auch nutzbar durch Betroffene in Verwaltungen und in der Wirtschaft, insbesondere KMUs, wo es ähnlich wie in Vereinen oft an Expertise mangelt.

Insgesamt reichen aber die vorhandenen Angebote bei Weitem nicht, um die großen Defizite im Bereich des ehrenamtlichen Engagements auszugleichen. Es braucht strukturelle Veränderungen, um spürbar etwas zu verbessern.

Für die unterschiedlichen Wissensvoraussetzungen braucht es fl ächendeckend niedrigschwellig zugängliche Qualifizierungsangebote, passgenau und bedarfsgerecht. Sichere Open-Source-Werkzeuge, die man im ehrenamtlichen Alltag und in einem typischen Verein so braucht, z. B. Mitgliederverwaltung, Spendenverwaltung, Kollaborationsplattformen, sollten einfach zu finden und zu nutzen sein. Niemand sollte mehr Google Docs im Verein verwenden, nur weil Alternativen unbekannt oder ein Hosting auf souveränen Cloud-Plattformen für Ehrenamtliche nicht bezahlbar ist.

Die digitale Zivilgesellschaft kann dazu einen Beitrag leisten, aber verlässlich geht das nur, wenn es dafür Strukturförderungen gibt und wenn man ihr nicht das Leben schwer macht. So werden Sicherheitsforschende, auch die im Ehrenamt, immer noch durch aus der Zeit gefallene Gesetze kriminalisiert. Die geplante und überfällige Reform des sogenannten „Hacker-Paragraphen“ wäre sogar ein Beitrag für mehr Cyber-Sicherheit für alle, weil dann auch wieder mehr Sicherheitsforschung stattfinden wird.

Hat Potenzial: freiwilliges digitales Jahr

Gemeinnützige Institutionen, die digitaler und professioneller werden wollen, begrüßen auch die Idee eines freiwilligen digitalen Jahres, denn damit hätten sie bezahlbaren Zugang zu digitaler Kompetenz über den Bundesfreiwilligendienst. Ein freiwilliges digitales Jahr kommuniziert sich besser in die einschlägige Community; werben könnte man dafür bei Mitgliedern des Chaos Computer Clubs und bei ehemaligen „Jugend hackt“ Aktiven, die vor dem Studium noch einen Dienst für die Gesellschaft leisten wollen und vielleicht danach weiter ehrenamtlich für analogere Teile der Zivilgesellschaft aktiv bleiben.

In normalen Zeiten könnten sich Demokratien selbst verteidigen, hieß es auf dem Kongress der DSEE; in Krisenzeiten brauche es dazu aber zwingend die engagierte Zivilgesellschaft. Daraus folgt: Wenn die Zivilgesellschaft resilient ist, auch gegen digitale Gewalt, haben alle etwas davon. Die Stärkung des digitalen Ehrenamts könnte dazu einen noch größeren Beitrag leisten, z. B. durch die Einführung eines freiwilligen digitalen Jahres, die Gemeinnützigkeit für Open-Source-Initiativen oder mit Strukturförderungen für gemeinnützige Vereine, die digitale Dienste für andere Ehrenamtliche bereitstellen.

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