Brigadegeneral Michael Volkmer Kommandeur des Zentrums Digitalisierung der Bundeswehr (ZDigBW), möchte die IT-Beschaffung top-down beschleunigen. 600 Projekte sollen in neun Clustern gebündelt und von oben implementiert werden.
Auf den BWI Industry Days 2023 stellt sich Volkmer die Frage, wie man die IT in der Bundeswehr zentral steuern kann. Seine Antwort auf diese Frage lautet Clusterlogik. Mithilfe von Clustern, die sich aus Einzelprojekten zusammensetzen, soll Governance ausgeübt werden. „Damit können wir IT schneller umsetzen und einführen“, erklärt Volkmer. Auch auf Anregungen aus der Truppe könnte man auf diese Art besser reagieren. Nun stünde man kurz davor, erstmals derartige Projekte erfolgreich abzuschließen.
Generalmajor Dr. Michael Heinz Färber, der Abteilungsleiter Planung und Digitalisierung des Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) erläutert die Ausgestaltung der angesprochenen Cluster. Die neun Cluster sollen als eine Art Katalog dienen. Aus diesem speisten sich die IT-Dienstleistungen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg). Großer Vorteil dieser Cluster sei, dass sie nur einmal im Jahr vor dem Haushaltsausschuss bestehen müssten. Nach einer einmaligen Vorstellung läge eine parlamentarische Billigung vor. „Das ist kein Spielgeld, sondern ernst zu nehmende Summen“, versichert der General. Mit den Clustern verfüge man über ein funktionales Kalkül, das man gegenüber dem Parlament aktualisieren könnte. Darüber hinaus erlaubten die Cluster ungekannte Transparenz.
Usecase oder Plattform?
Gegen diese Top-down-Logik formiert sich jedoch Widerstand. Frank Leidenberger, der CEO der BWI GmbH verweist auf den Krieg in der Ukraine. Dort würden keine Cluster gebaut. Stattdessen denke man vom Usecase aus. „In der Ukraine steht die Führung vor einem Anwendungsfall und fragt sich, wie man den bestmöglich löst.“ Man müsse deshalb beide Philosophien – den Top-down- als auch den Bottom-up-Ansatz – bedenken. Dieser Einschätzung widerspricht Fäber. „Hätten die Ukrainerinnen und Ukrainer schon vor sieben Jahren eine Plattform aufgebaut, könnten sie effizienter handeln.“ Zurzeit hangele man sich von Usecase zu Usecase.




